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Zutritt verboten: Der Sarkophag ist geöffnet - erste Fotos aus dem Löwengang

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Von: Jan Schmitz

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In Schutzanzügen errichten die Monteure einen „Löwengang“ im Rathaustunnel. © Firma Schuh

Lüdenscheid – Bauleiter Mike Krause lässt sich das Smartphone geben und schiebt es durch eine kleine Öffnung ins Innere des Rathaustunnels. Unbefugte – dazu gehören auch Journalisten – haben hier keinen Zutritt. Zu gefährlich.

Das Handy aber darf hinein. Die Fotos, die die Bauarbeiter machen, dokumentieren eindrucksvoll den Fortschritt im monatelang verschlossenen Tunnel. Anfang April waren giftige Asbestfasern in der Decke, später auch an anderen Stellen im Tunnel entdeckt worden. Die Baustelle in Lüdenscheid wurde stillgelegt, monatelang rangen Bauherr Straßen.NRW, Fachfirmen und Behörden darum, wie es weitergeht. 

Anfang der Woche nun wurde das wie ein Sarkophag luftdicht verschlossene Lüdenscheider Bauwerk wieder geöffnet. Archäologen gleich – wussten auch die Mitarbeiter des Unternehmens Schuh aus Hamburg nicht, was sie im Dunkeln erwartete. 

Rathaustunnel in Lüdenscheid: Vor der Asbestsanierung ist der Staub

Die Überraschung: zunächst einmal vor allem Staub und Schutt, der sich in den fast acht Monaten im vorderen Bereich des Tunnels abgelagert hatte. Dort – rund 20 Meter vom Eingang an der Altenaer Straße entfernt – soll in der kommenden Woche die Probesanierung durchgeführt werden. Mit zwei Säcken Abraum hatten die Hamburger gerechnet. Am Ende wurden elf Säcke gefüllt, bevor der Tunnel in diesem Bereich besenrein war. 

Vor Lüdenscheid: Spezialfirma hat Asbest im Elbtunnel entfernt

Die vier Monteure, die in Lüdenscheid arbeiten, sind absolute Experten auf dem Gebiet der Asbestsanierung. Zuletzt hatten die Spezialisten das giftige Baumaterial aus den Seitenwänden im 3,3 Kilometer langen Elbtunnel in Hamburg entfernt. 

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Der sogenannte „Löwengang“ wird mittig in den Rathaustunnel gebaut. Er verbindet den Eingang mit der luftdichten Kammer, in der ab nächster Woche die Probesanierung durchgeführt wird. Der Zugang zur Kammer ist nur durch ein Schleusensystem mit Dusche möglich. © Firma Schuh

Bevor es mit der Probesanierung in Lüdenscheid ernst wird, wird zunächst die Infrastruktur aufgebaut. Dazu brauchen die Männer Holzlatten, Schrauben, dicke PVC-Plane und Panzer-Klebeband. In Schutzanzug, Schutzbrille und mit Atemmaske errichten sie eine luftdichte Kammer. 

Nach der Freimessung folgt der beschwerliche Teil der Probesanierung

Anschließend wird als Zuwegung zur Kammer der sogenannte „Löwengang“ gebaut. In dem rund fünf Meter breiten Bauwerk werden später das Schleusensystem und die Geräte untergebracht. Auch dieser Bereich ist dann schon praktisch asbest-faserfrei. Wenn die Freimessung – dabei wird die Zahl der Fasern in der Raumluft gemessen – am Montag unbedenklich ist, folgt der beschwerliche Teil der Sanierung. 

Bevor die Männer den „schwarzen Bereich“ durch die Schleusen betreten, müssen sie sich komplett ausziehen. Nackt schlüpfen sie in einen dünnen Einweg-Overall aus Papier, in dem sie anschließend die schwere körperliche Arbeit durchführen. 

Wegen der Kälte in Lüdenscheid überlege man, dickere Schutzkleidung in der Kammer zu hinterlegen, sagt Mike Krause, Bauleiter der Firma Schuh. Diese würde dann nach Abschluss der Probesanierung als Sondermüll entsorgt. 

Nach zwei Stunden in der luftdichten Kammer folgt immer eine halbe Stunde Pause. Dafür geht es zurück in die Schleuse, wo die Männer eine zweiminütige „Zwangsdusche“ über sich ergehen lassen. Maximal zehn Stunden dürfen sie am Tag arbeiten. An einem normalen Arbeitstag wiederholt sich die Prozedur daher viermal. 

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