Mehr als 30 Anrufe täglich

Rathaus in Corona-Zeiten: Frau versuchte wochenlang vergeblich Termin zu bekommen

Rathaus Lüdenscheid
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Weil ihr Personalausweis in Kürze abläuft, bemühte sich Gülay Cetin mehr als drei Wochen lang darum, einen Termin im Lüdenscheider Bürgeramt zu bekommen – zunächst ohne Erfolg.

Der Frust war groß, der Ärger nicht minder: Weil ihr Personalausweis in Kürze abläuft, bemühte sich Gülay Cetin mehr als drei Wochen lang darum, einen Termin im Lüdenscheider Bürgeramt zu bekommen – zunächst ohne Erfolg.

Lüdenscheid – „Ich habe es jeden Morgen ab 8.30 Uhr probiert, doch entweder ich bin gar nicht durchgekommen, weil besetzt war, oder mir wurde gesagt, dass ich zu spät dran sei und alle Termine bereits vergeben seien“, schildert die Lüdenscheiderin im Gespräch.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand: 31.12.2019)

Dass der Betrieb aufgrund der Pandemie derzeit nur eingeschränkt laufen und nicht jeder einfach ins Bürgeramt spazieren kann, darüber sei sie sich natürlich bewusst und habe Verständnis. Allerdings: „Es müsste doch irgendwie ein System geben, das funktioniert“, verweist sie beispielsweise auf die Verwaltung des Märkischen Kreises, bei dem die Terminvergabe reibungslos funktioniert habe. Stattdessen seien mehr als 30 Anruf-Versuche am Morgen keine Seltenheit gewesen, verbunden mit dem Blick auf die Online-Termine-Vergabe.

Rathaus in Corona-Zeiten: „Extrem viele Terminanfragen“

Was Gülay Cetin zudem besonders ärgert: „Dass mir dann am Telefon auch noch gesagt wird, dass ich Strafe zahlen muss, sobald mein Ausweis abgelaufen ist. Aber wie soll ich ihn verlängern, wenn ich keinen Termin bekomme?“ Aus ihrem Bekanntenkreis weiß die Lüdenscheiderin, dass es ihr nicht alleine so ergangen ist. Dabei verweist sie auch auf Menschen, die die deutsche Sprache nicht so gut beherrschen oder online nicht aktiv sind. Gülay Cetin selbst hat auch eine E-Mail an Bürgermeister Sebastian Wagemeyer verfasst – eine Antwort blieb bislang aus.

Beim Blick auf die Online-Terminvergabe auf der Seite der Stadt wird am Vormittag deutlich: Für den Monat Mai ist kein Termin wählbar, alle zur Verfügung stehenden Termine sind bereits vergeben. „Bitte versuchen Sie es in diesem Fall am nächsten Tag erneut, da täglich neue Termine freigegeben werden für den nächsten Tag des Drei-Wochen-Zeitraums“, heißt es auf der Seite.

Wie Stadtsprecher Sven Prillwitz auf Anfrage erklärt, gebe es derzeit „extrem viele Terminanfragen“. Gleichzeitig müssten Mitarbeiter mit Kindern wegen coronabedingt geschlossener Schulen und eingeschränktem Notbetrieb in den Kitas teilweise im Homeoffice arbeiten. „Dadurch fallen Arbeitskräfte weg, die Dienstleistungen abarbeiten, die vor Ort im Rathaus erledigt werden müssen.“ Zwar würden derzeit drei neue Mitarbeiter eingearbeitet, doch auch das binde Zeit und Personal – ebenso wie „zahllose“ Beschwerde-Anrufe, weil online kein Termin zu bekommen sei.

Rathaus in Corona-Zeiten: Versöhnliches Ende

Auch sei es in den vergangenen Wochen häufiger vorgekommen, dass Menschen ohne vorherige Terminbuchung ins Bürgeramt gekommen seien. „Der große Andrang führte in Kombination mit unserer aktuell dünnen Personaldecke nicht nur zu langen Wartezeiten, sondern teilweise auch dazu, dass wir Menschen unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken mussten.“ Daher sei es weiterhin notwendig, vorab einen Termin zu vereinbaren.

„Wir überprüfen am Morgen täglich die personellen Möglichkeiten. Auf dieser Basis werden nochmals Termine freigeschaltet, die dann kurzfristig gebucht werden können“, erläutert Prillwitz weiter. Und wenn es – wie im Fall von Gülay Cetin – dennoch nicht mit einer Terminbuchung klappt? „Dann empfehlen wir, dem Bürgeramt eine E-Mail zu schicken, in der das jeweilige Anliegen kurz und knapp erläutert wird. Wir bewerten die Dringlichkeit und buchen dann für die Bürger einen Termin, den wir ihnen per E-Mail mitteilen.“

Für Gülay Cetin gab es letztlich doch noch ein versöhnliches Ende: Am Mittwoch gelang es ihr um 8.31 Uhr, ein kurzes Zeitfenster zu nutzen und sich einen Termin zu sichern. Dennoch ist sie sich – nach drei Wochen vergeblicher Versuche – sicher: „Das könnte besser klappen.“

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