Unternehmen leitet Untersuchung ein

Rassismusvorwurf gegen MVG: „Schwarze ist der gängige Terminus“

Bus MVG
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Die Märkische Verkehrsgesellschaft sieht sich mit Rassismusvorwürfen konfrontiert.

Es sind schwere Vorwürfe, die eine Mutter erhebt. In einem Bus der MVG soll sich eine Mitarbeiterin des Unternehmens rassistisch geäußert haben. Und das gegenüber einer Jugendlichen.

Lüdenscheid – Eine Mutter erhebt Rassismus-Vorwürfe gegen eine Mitarbeiterin der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG): Ihre Tochter erlebte nach ihren Angaben im Bus mit, wie sich eine MVG-Mitarbeiterin rassistisch geäußert haben soll. Der Vorfall soll sich am Samstag, 28. November, ereignet haben.

Die Mutter, eine Altenaerin, die anonym bleiben möchte, machte den Vorfall in einem Beitrag in der Facebook-Gruppe „Du bist Lüdenscheider, wenn…“ öffentlich. Auch bei der MVG meldete sie die Vorwürfe anonym. Die Verkehrsgesellschaft hat eine interne Untersuchung eingeleitet und nimmt die Mitarbeiterin in Schutz.

Der Vorfall

Ihre 14-jährige Tochter sei am Samstagnachmittag in der Buslinie 37 von Altena nach Lüdenscheid gefahren, erzählt die Mutter in dem Facebook-Beitrag. Dort habe sie mitbekommen, wie eine Kontrolleurin der MVG ein Pärchen dunkler Hautfarbe kontrollierte. Beide konnten keinen gültigen Fahrschein vorzeigen und hatten laut des Mädchens Verständigungsprobleme.

Die Kontrolleurin habe daraufhin zum Telefon gegriffen und anscheinend Kollegen über die Situation informiert, wie die Tochter vermutete: „Am Telefon erwähnte die Kontrolleurin dann des Öfteren anscheinend ziemlich abwertend, dass es ‚Schwarze sind’“, schreibt die Mutter in ihrem Facebook-Posting, den sie nach persönlichen Angriffen mittlerweile gelöscht hat. Die Worte und die Art und Weise der Ansprache habe die Tochter als rassistisch empfunden, weshalb sie die Kontrolleurin darauf angesprochen haben soll: „Beim Aussteigen sagte meine Tochter zu ihr, dass es nicht ,Schwarze’ sondern ,Dunkelhäutige’ heißt“, berichtet die Altenaerin von den Erzählungen ihrer Tochter.

Die Reaktion habe die Mutter dann besonders wütend gemacht. Denn die MVG-Angestellte soll erwidert haben: „Ist doch alles das Gleiche, egal ob Negerkopf, Schwarzkopf und so.“ Die Tochter habe der Kontrolleurin daraufhin gesagt, dass dies rassistisch sei und den Bus dann verlassen.

Das Facebook-Posting schlug in der Gruppe hohe Wellen, viele Menschen reagierten darauf und kommentierten den Beitrag empört und auch kritisch – bis er gelöscht wurde. Auch deshalb wolle die Mutter anonym bleiben, wie sie sagt: „Ich habe nach dem Post auch privat nicht so schöne Nachrichten zu dem Thema bekommen. Außerdem wollte ich nicht, dass meine Tochter damit in Verbindung gebracht wird und vielleicht dadurch Nachteile hat“, sagt die Mutter. Reagieren wollte sie aber dennoch und meldete den Vorfall bei der MVG, allerdings anonym.

Das sagt die MVG

„Wir können bestätigen, dass unsere Prüferin tatsächlich festgestellt hat, dass am Samstag zwei Fahrgäste keinen gültigen Fahrschein hatten, weil sie ihr Vierer-Ticket nicht abgestempelt hatten“, sagt Stefan Janning, Prokurist und Bereichsleiter Angebot bei der Märkischen Verkehrsgesellschaft. Da es sich beim Fahren ohne gültigen Fahrschein um eine Straftat handele, habe die Mitarbeiterin versucht, die Personalien der beiden Fahrgäste aufzunehmen, sagt Janning.

Entgegen der Vermutung der Jugendlichen habe die Prüferin aber nicht mit Kollegen der MVG, sondern der Polizei telefonisch Kontakt aufgenommen. „Das ist die ganz normale Vorgehensweise, wenn die Personalien nicht ermittelt werden können“, sagt Janning. Der Mann sei vor Eintreffen der Polizei geflüchtet, die Frau blieb vor Ort. Außerdem bestätigt Janning, dass die Prüferin die beiden kontrollierten Personen als Schwarze bezeichnete. „Das ist der gängige Terminus. Entgegen der Auffassung der Jugendlichen ist es nämlich völlig korrekt, das Wort Schwarze zu benutzen.“

Nachdem die Mutter den Vorfall bei der MVG meldete, habe das Unternehmen eine Untersuchung eingeleitet. „Wir haben am Mittwoch, vor Dienstbeginn, mit der Prüferin über den Fall gesprochen. Am Donnerstag erwarten wir die schriftliche Äußerung“, erklärt der Prokurist die Vorgehensweise und stellt klar: „Wir nehmen das Thema Rassismus sehr ernst. Wir sind ein Unternehmen, in dem viele Menschen mit verschiedenen Nationalitäten arbeiten.“ Außerdem nahm er seine Mitarbeiterin, die bestritt, die Worte Negerkopf und Schwarzkopf benutzt zu haben, in Schutz: „Nach dem Gespräch mit ihr hatten wir keinen Ansatz, dass es bei ihr ein rassistisches Gedankengut gibt.“Dennoch werde man reagieren und mit der Mitarbeiterin in einem weiteren Gespräch über die „Richtung unserer Unternehmenswerte sprechen“.

Zudem habe die MVG versucht, Kontakt zu der Mutter aufzunehmen, auch wenn der Vorfall anonym gemeldet wurde, denn: „Auch wir haben den Facebook-Post gelesen und die Mutter über die sozialen Medien um ein Gespräch gebeten. Eine Reaktion von ihr kam bisher leider nicht“, sagt Janning. Die Mutter hingegen sagte auf Nachfrage, dass sie der Kontaktversuch der MVG nicht erreicht habe.

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