Raserei und Stinkefinger: Geld fürs DRK

LÜDENSCHEID ▪ Der Mann ist Wirtschafts-Ingenieur, 44 Jahre alt, und viel beschäftigt. Für 8000 Euro netto im Monat kurvt er durch Deutschland, 80 000 Kilometer jährlich, und bringt Läden seines Arbeitgebers „nach vorne“, wie er sagt. Sein managerhaftes Auftreten wirkt schneidig. Grauer Anzug, Glatze, modische Brille. Ist so einer fähig, mit seinem BMW wie ein Verrückter über die Autobahn zu rasen und Verkehrsteilnehmer zu nötigen und in Gefahr zu bringen? Der Staatsanwalt glaubt: Ja.

Mag sein, dass der Geschäftsmann (53) aus Dortmund, der am frühen Morgen des 19. Juli mit einer Kollegin nach Pforzheim unterwegs ist, nicht richtig aufgepasst hat. Zwischen den Abfahrten Lüdenscheid und Lüdenscheid Süd schert er auf die linke Fahrspur aus, um einen Kleinlaster zu überholen. „Ich habe noch in den Rückspiegel geschaut. Hinter mir war keiner“, sagt der Zeuge – auch Glatze – zu Strafrichter Peter Alte.

Aber dann kommt der BMW „ganz plötzlich“. Und so dicht auf, „dass ich keine Scheinwerfer und keinen Kühlergrill mehr sehen konnte“. Der Angeklagte räumt ein, „ziemlich schnell“ unterwegs gewesen zu sein. „Ich wollte ganz normal zur Arbeit fahren.“ Und dann sei der VW Tiguan vor ihm auf einmal auf seine Spur gewechselt.

Bis hierhin stimmen die Darstellungen einigermaßen überein. Doch dann, sagt der Staatsanwalt, hat sich der BMW-Fahrer dicht vor den VW geklemmt und „von 130 auf 40 Stundenkilometer runtergebremst“. Und damit den Tatbestand der Nötigung erfüllt. Die Beifahrerin des Dortmunders erinnert sich: „Ich habe noch nie im Leben so viel Angst gehabt.“ Von hinten näherte sich ein hupender 40-Tonner.

Ja, er habe sich vor den VW gesetzt, sagt der Angeklagte. Und verlangsamt habe er seine Fahrt auch, „aber nur auf etwa 80“. Weil der Dortmunder ihm den Stinkefinger gezeigt und er sich dessen Kennzeichen notieren gewollt habe. Der Dortmunder sagt: „So was mache ich nicht.“

Richter Alte stellt das Verfahren gegen den Angeklagten ein, gegen Zahlung von 1500 Euro. Das Geld kriegt der DRK-Kreisverband.

Olaf Moos

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