Alle Maßnahmen brachten nichts

Raser an Kita im MK: Emojis sollen zu schnelle Autofahrer bremsen

Alle bisherigen Maßnahmen fruchteten nicht: Noch immer fahren die Autofahrer an Awo-Kita Kinderplanet an der Bahnhofsallee viel zu schnell. Jetzt starten die Verkehrsplaner der Stadt Lüdenscheid einen neuen Versuch, das Tempo zu drosseln - mit Emojis.

Lüdenscheid – Displays mit Lach-Smiley und Ärger-Emoji sollen den Autofahrern in Lüdenscheid künftig anzeigen, ob sie zu schnell sind oder nicht. Wie Nina Niggemann-Schulte vom Fachdienst Verkehrsplanung am Mittwoch im Bau- und Verkehrsausschuss erklärte, gilt seit Eröffnung der Kita Ende 2018 in dem Bereich Tempo 30, zusätzlich weist das Verkehrszeichen „Achtung Kinder“ auf die Gefahrensituation hin. Geschwindigkeitsmessungen ergaben bereits wenige Monate später, dass der sogenannte V85-Wert bei viel zu hohen 42 km/h lag.

StadtLüdenscheid
KreisMärkischer Kreis
Fläche87,02 Quadratkilometer
Einwohner72.313 (31. Dez. 2019)

V85 ist ein Wert zur Beurteilung des tatsächlichen Geschwindigkeitsniveaus auf einer Straße. Im konkreten Fall an der Bahnhofsallee hatten demnach 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer 42 oder weniger auf dem Tacho, 15 Prozent waren sogar noch schneller. In der Folge optimierten die Verkehrsplaner die Beschilderung vor der Kita und konnten so ein Jahr später den V85-Wert auf 38 beziehungsweise 40 km/h senken. Auch das war aus Sicht der Verwaltung immer noch zu schnell. Anschließend wurden Piktogramme Spielende Kinder“ auf der Fahrbahn aufgebracht.

Eine erneute Überprüfung in diesem Jahr brachte dennoch nur einen V85-Wert von 38 km/h. „Das jetzige Ergebnis erschreckt mich“, sagte Christoph Weiland (CDU) mit Blick auf das dort unmittelbar angrenzende Testzentrum des Kreises. Er erinnerte noch einmal an einen Vorschlag seiner Fraktion, die die Installation von „Berliner Kissen“ auf der gut ausgebauten Bahnhofsallee ins Spiel gebracht hatte.

Mit Emoji-Anzeigen gegen Raser: Stadt Lüdenscheid setzt auf Einsicht

Die Lüdenscheider Verkehrsplaner schlagen jedoch vorerst einen anderen Weg ein. Sie wollen – wie zwischenzeitlich schon einmal versuchsweise – Dialogdisplays der Verkehrswacht Lüdenscheid installieren. Wie Verkehrswacht-Vorsitzender Martin Kornau im Ausschuss ausführte, misst die Anlage zwar die Geschwindigkeit, zeigt sie aber nicht in gefahrenen km/h an.

Auch die Piktogramme konnten die gefahrene Geschwindigkeit nicht nachhaltig senken.

„So soll verhindert werden, dass Autofahrer versuchen, Höchstgeschwindigkeiten anzuzeigen“, sagt Kornau und befürchtet andernfalls Überbietungswettbewerbe von Unvernünftigen. Stattdessen erhalten Verkehrsteilnehmer, die angemessen fahren, zum Dank ein Lach-Emoji, Temposündern leuchtet ein ärgerliches Emoji entgegen. Mit einem Verwarn- oder Bußgeld müssen sie aber erst dann rechnen, wenn städtisches Ordnungsamt oder Polizei die Radarfalle positionieren.

Rubriklistenbild: © Patrick Seeger/dpa

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