„Komplett aus dem Ruder gelaufen“

Randale, Tätlichkeit und Heroinfund: Geldstrafe für Lüdenscheider

Symbolbild Urteil Gericht Justiz

Lüdenscheid - Richter Thomas Kabus hat treffende Worte für den 7. Oktober 2017 im Leben eines 45-jährigen Lüdenscheiders gefunden: „Das war der Tag, an dem komplett alles aus dem Ruder gelaufen ist.“ Und verhängte nach Randale, Tätlichkeit gegen Vollstreckungsbeamte und einem Heroinfund eine Geldstrafe.

Das Unheil begann mit einem Anruf seiner Nachbarn bei der Polizei. Oder vielmehr schon vorher, wenn ihre Meldung über seine Randale, mit der sie nicht mehr fertig würden, zutraf. 

Tatsächlich kann das Verhältnis nicht gut gewesen sein: „Sie würden das Haus irgendwann kaufen und den 45-Jährigen rausschmeißen“, erinnerte sich eine Beamtin an eine Äußerungen der Nachbarn. Der Angeklagte hatte umgekehrt auch eine recht ruppige Sicht auf seine Wohnumgebung: „Die Nachbarn, die angeblich das Haus gekauft haben, waren Mietnomaden“, behauptete er im Amtsgericht. 

Es ging auch noch persönlicher: Das seien Idioten, die ihm eingebrockt hätten, dass jetzt schon wieder die Polizei im Haus sei, erinnerte sich eine Beamtin an eine Äußerung des Angeklagten vor Ort. 

Keine dieser Ankündigungen und Thesen musste im Amtsgericht Lüdenscheid geklärt werden. Es ging vielmehr um den noch recht neuen Straftatbestand einer Tätlichkeit gegen Vollstreckungsbeamte. Denn die beiden Beamten und ein Kommissarsanwärter trafen nach ihrem Eintreffen in der Wohnung des Angeklagten auf recht heftigen Widerstand. „Ich bin aufgestanden und habe gesagt: ‘Verpisst euch!’ Das gebe ich zu“, erklärte der Angeklagte. „Ich habe ja Fehler gemacht.“

Vorgeworfen wurde ihm ein ganzes Potpourri von Beleidigungen. Tatsächlich hatte er wohl auch körperlich noch einiges an Luftschlägen und -tritten versucht. Nichts davon traf aber tatsächlich die Polizisten, die ihn schließlich fixierten und mit in den Gewahrsam nahmen. 

Nebenbei stellten sie in seiner Wohnung noch ein bisschen Heroin und recht viel Bargeld sicher, was zu einem ersten Strafverfahren vor dem Amtsgericht führte. 90 Tagessätze zu je zehn Euro gab es für den unerlaubten Besitz von Betäubungsmitteln, und nun kamen noch einmal 90 Tagesätze oben drauf. Das ergab in juristischer Addition 130 Tagessätze. 

Richter Thomas Kabus würdigte dabei das zunehmend kooperative Verhalten des Angeklagten im Gerichtssaal, sein Teilgeständnis und die Bewusstseinstrübung, die durch eine Alkoholisierung weit jenseits von zwei Promille ausgelöst worden war.

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