Ramadan: Wie machen es Lüdenscheider Muslime?

Die Geschwister Gülay und Ayhan Saygi arbeiten im Supermarkt ihrer Eltern.

LÜDENSCHEID ▪ Der Ramadan ist für viele Muslime nicht bloß ein Fastenmonat, sondern vielmehr ein Gedenken an die Menschen, die nichts zu essen haben, erklärt Gülay Saygi. Die türkischstämmige Muslimin arbeitet in der Lüdenscheider Filiale der Supermarktkette Saygi. Ihre Eltern haben den Lebensmittelladen zusammen mit den Kindern zu einer Art Familienunternehmen gemacht, zumindest beteiligen sich alle an der Arbeit.

Der Saygi-Markt hat viele muslimische Kunden und bemerkt ein verändertes Kaufverhalten während des Ramadans. „Die Fastenden kommen momentan gegen Abend zum Einkaufen. Ab sechs Uhr fangen sie an zu kochen, damit bis neun Uhr alles fertig ist“, erklärt Gülay Saygi. Auffällig sei, dass in großen Mengen eingekauft würde – vor allem Fleisch und das extra für den Ramadan hergestellte Fladenbrot Pide. „Sehr beliebt ist auch eine türkische Spezialität namens Baklava.“ Das Blätterteiggebäck, eingelegt in einen Sirup aus Honig, Zucker, Gewürzen und Rosenwasser, läuft unter dem Begriff Süßigkeiten und verkauft sich während des Ramadans ebenfalls besonders gut.

Gülay Saygi erzählt: „Ich selbst faste nicht. Ich bin von der Pflicht befreit, da ich an Eisenmangel leide. Wer gesundheitliche Einschränkungen hat, soll nicht fasten.“ Es sei nicht Sinn der Sache, sich selbst dabei kaputt zu machen. „Ich bezahle aber mit Geld für die Sünde zu essen. Das sind täglich zehn Euro. Am Ende des Fastenmonats wird die Summe an arme Menschen gespendet.“

Ayhan Saygi, Sohn des Chefs, berichtet von Kunden, denen das Fasten sehr schwer fällt, da sie körperlich arbeiten. Ein Mann zum Beispiel, der Schmied von Beruf sei, könne nicht fasten, da sein Körper der Belastung ohne Flüssigkeit und Nahrung nicht standhalten würde. „Es gibt auch die Möglichkeit, den Fastenmonat nachzuholen, sobald es die persönliche Situation erlaubt.“

Viele Muslime nehmen das Fasten sehr ernst. So auch Saygi-Markt-Mitarbeiter Bülent Atas: „Ein neunstündiger Arbeitstag ist wirklich hart, wenn man nicht zwischendurch wenigstens etwas trinken darf, aber ich fühle mich Gott durch das Fasten viel näher.“

Für ihn ist der Ramadan der heiligste Monat. Der Gedanke, so gläubig wie möglich zu sein, gefällt ihm. In der Arbeit sieht er eine willkommene Ablenkung und bereits nach wenigen Tagen hat er sich an die Enthaltsamkeit gewöhnt.

Am Abend wird traditionell gekocht. „Als Vorspeise gibt es bei uns immer Datteln. Aber das ist von Familie zu Familie unterschiedlich.“ In allen Familien aber gibt es mehrere Menüs hintereinander. Das Mahl dauert einige Stunden.

Das traditionelle Zusammensein der Familien bekommt auch Murat Kaya zu spüren. Er ist Chef des „Lüdenscheider „Pide und Kebab Haus“ an der Kluser Straße. „Man merkt, dass im Moment viel zu Hause gegessen wird. Die Menschen finden zusammen, um ausgiebig zu kochen und gemeinsam das Essen zu genießen“, sagt Murat Kaya. Manchmal kann sich der Restaurantbesitzer aber über die Reservierung einer Großfamilie für den Abend freuen. Dann essen sich die Gläubigen bei ihm an Pide und Kebab satt.

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