25 Jahre ehrenamtlich Beisitzer: „Ist Bürgerpflicht“

Rainer Schmolke (li.) und Dr. Holger Schrade, Präsident des Landesarbeitsgerichts in Hamm.

LÜDENSCHEID - "„Mir macht das viel Freude, und es ist äußerst interessant“, sagt Rainer Schmolke. Der Betriebsratsvorsitzende der Firma Kostal ist seit 25 Jahren ehrenamtlich Beisitzer am Landesarbeitsgericht Hamm.

Im Schnitt einmal im Monat nimmt er an Revisionsverhandlungen teil, weil sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber in erster Instanz vor Ort nicht haben einigen können. Von der IG Metall war er damals vorgeschlagen worden. Vier bis sechs Fälle werden pro Gerichtstag verhandelt. „Am Anfang war ich schon recht nervös und hatte schlaflose Nächte. Jetzt mit der Erfahrung der vielen Jahre ist das nicht mehr so.“

Die Fälle werden dem 62-Jährigen nach Hause geschickt. Dort liest er sich ein. „Da kann’s dann schon mal passieren, dass meine Frau mir was erzählt, ich aber nicht zugehört habe“, sagt er und schmunzelt.

Behandelt werde alles, was man sich so im Arbeitsleben vorstellen könne: Kündigungen, befristete Arbeitsverträge, Abmahnungen, Fehlverhalten, Betrügereien, Krankmeldungen, Alkohol am Arbeitsplatz und vieles mehr. Vor der Verhandlung schätzt der Richter die Sachlage gemeinsam mit den Beisitzern – ein Vertreter der Arbeitnehmer und einer der Arbeitgeberseite – ein. 75 Prozent der Gerichtstermine enden mit einem Vergleich, 25 Prozent der Fälle werden abgeurteilt.

Zu skurrilen Situationen komme es immer wieder, wenn Zeugen vereidigt und unter Androhung von Strafe auf ihre Pflicht zur wahrheitsgemäßen Aussage aufmerksam gemacht werden. „Dann bröckeln schon einmal vorher noch felsenfeste Positionen, und selbst anfangs cool auftretende Zeugen werden nervös“, sagt Rainer Schmolke. „Ich könnte ein Buch darüber schreiben, aber ich bin ja zur Verschwiegenheit verpflichtet.“

Mit seiner inzwischen fast 30-jährigen Tätigkeit als Betriebsratsvorsitzender bei Kostal bringt Rainer Schmolke natürlich viel Erfahrung mit in den Gerichtssaal, aber auch umgekehrt vom Gericht mit ins Betriebsratsbüro. „Mir gefällt die Arbeit in Hamm und sie passt auch zu meinem hauptamtlichen Job. So verliere ich den Rest der Arbeitswelt nicht aus dem Augen, und wer sein Recht sucht, braucht auch jemanden, der ihm hilft. Das ist doch Bürgerpflicht“, sieht er sein Ehrenamt als selbstverständlich an.

Alle vier Jahre wird man neu vorgeschlagen. „Eine weitere Periode würde ich gerne noch machen“, sagt der gelernte Werkzeugmacher, der auch darüber hinaus noch ehrenamtlich tätig ist – natürlich in der IG Metall: als Mitglied der großen Tarifkommission, im Ortsvorstand der Gewerkschaft und in der Delegiertenversammlung. „Eine Sache der Ehre.“

Von Martin Messy

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