Räuber-Duo legt Geständnisse ab

LÜDENSCHEID ▪ Ende einer Serie: Als er sich in der Nacht des 18. Juni nach dem letzten von vier Raubüberfällen in einem stinkenden Müllcontainer an der Friedrichstraße versteckte und seinem Komplizen einen verzweifelten Hilferuf per Sms schickte, war das Spiel aus.

Für wie lange der 21-Jährige und sein zwei Jahre jüngerer Bekannter für vier bewaffnete Überfälle auf Spielhallen, ein Wettbüro und einen Dönerimbiss sowie einen Einbruch (wir berichteten) büßen müssen, das herauszufinden ist Aufgabe der 1. großen Jugendkammer des Landgerichts Hagen. Der Prozess gegen das Duo hat begonnen – mit Geständnissen.

Leise, kaum hörbar schildern die jungen Männer, wie sie den Sommer 2012 erlebt haben, was sie getrieben hat, Verbrecher zu werden, wie das schnelle Geld gelockt hat. Der ältere der beiden Angeklagten sagt, beide seien auf die Idee gekommen. Sein Bekannter flüstert: „Er kam darauf, ich bin drauf eingestiegen.“ Der Vorsitzende Richter Marcus Teich vermutet, „dass man das Abenteuer gesucht“ und sich „in der Rolle gefallen hat“. Der 21-Jährige antwortet: „Stolz war ich nicht drauf.“ Er hatte die Gaspistole dabei, allerdings ohne Munition.

Klarer ist das Motiv des mutmaßlichen Rädelsführers. Mit 18 war er als Soldat nach Afghanistan gegangen, „viereinhalbtausend im Monat habe ich verdient“. Nach der Rückkehr, berichtet er, habe er leichtfertig 20 000 Euro verliehen „und nie wiedergesehen“. Die Schulden drückten. Und sein Freund „wollte finanziell auch ein bisschen besser dastehen“. Der aber sieht für sich kein deutliches Motiv und „kann das alles nicht verstehen“. Mit Tränen in den Augen erklärt er, er habe nach dem Abitur nicht gewusst, wo es langgeht. Die Überfälle? „Damals dachte ich, das wäre eine tolle Sache, ich wäre dann besser angesehen.“ Und: „Ich dachte, meine Eltern empfinden nichts für mich. Jetzt weiß ich, dass sie mich lieben.“ Er schäme sich für das, was er getan habe. Er war der mit dem Messer.

Ob das Geld auch ihn so sehr gelockt hat, bleibt zunächst offen. Immerhin haben sie die Beute gerecht geteilt. Mit Blick auf seinen älteren Komplizen aber sagt der Abiturient: „Er hat das Geld verballert, ich habe seine Rechnungen bezahlt.“ Er möchte später mal Wirtschaftsmathematik studieren.

An den Beweisen, das ergeben die Geständnisse und die Aussagen von Polizisten, gibt es keine Zweifel. Für die beiden Verteidiger, Katja Kirmizikan und Bernd Eisenhuth, gibt's nicht viel zu verteidigen. Ziel der Rechtsanwältin ist es, ihren Mandanten, zur Tatzeit 19 Jahre alt, wie einen Jugendlichen bestrafen zu lassen – also milder als einen Erwachsenen. Staatsanwalt Nils Warmbold beschränkt sich noch auf stummes Zuhören.

Die Aussagen der ersten Zeugen bestätigen seinen Anklagevorwurf. Heute sollen weitere Opfer des Räuber-Duos aussagen. Der Prozess wird am Donnerstag um 9 Uhr im Saal 201 des Landgerichts fortgesetzt.

Olaf Moos

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