Anwohner äußern erhebliche Skepsis

Rätherwiese: Bürger-Front gegen Baupläne für Sozialwohnungen

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Starke Resonanz: Gut 250 Bürger waren zu der Info-Veranstaltung in der Apostelkirche erschienen. Tenor des Abends: Einer Bebauung der Bierbaumer Rätherwiese mit Sozialwohnungen stehen die Anwohner extrem skeptisch gegenüber.

Lüdenscheid - Der Frontverlauf ist ziemlich eindeutig: Die Idee der Stadtverwaltung, auf der Bierbaumer Rätherwiese künftig sozialen Wohnungsbau zu realisieren und so auch für Flüchtlinge mit dauerhaftem Bleiberecht Wohnungen zu schaffen, stößt bei den Anwohnern auf erhebliche Skepsis.

Sie fürchten ein „Ghetto“ direkt vor ihrer Haustür. Bei einer ersten Bürger-Information gerieten Thomas Ruschin und Martin Bärwolf von der Verwaltungsspitze jetzt jedenfalls unter teils heftigen Beschuss. Am 27. Januar beschäftigt sich zunächst der Planungs- und Umweltausschuss mit dem brisanten Thema.

An der Bierbaumer Apostelkirche führte an diesem Abend kein Weg vorbei – nur das Gotteshaus des Viertels bot genügend Platz für den Menschenandrang. Immerhin wollten gut 250 Bürger Details zu dem Bau- und Sozialprojekt in ihrer Nachbarschaft erfahren. Eingeladen zu der Info-Veranstaltung hatte der SPD-Ortsverein Bräucken/Versetal.

Bisher ein Naturidyll – die Rätherwiese dient den Bürgern vom Bierbaum als beliebte Freizeitfläche.

Mehrfach im Verlauf des Abends setzte Thomas Ruschin, Leiter des Fachbereichs „Bürgerservice und Soziale Hilfen“, dazu an, Flüchtlingszahlen und Verteilungsschlüssel zu erläutern. Davon indes wollte kaum jemand etwas wissen. „Aufhören“, so schallte es dem Verwaltungsmann mitunter entgegen. Die Anwohner forderten durchweg klare Auskünfte über die Nutzung der Rätherwiese.

Dennoch macht eine Hintergrund-Betrachtung wohl Sinn. Zwar kann derzeit niemand genau sagen, wie es mit der Flüchtlingskrise in Lüdenscheid und anderswo weitergeht. „Wir schauen derzeit alle in die Glaskugel“, so die Worte von Martin Bärwolf, Leiter des Fachbereichs „Planen und Bauen“. Trotzdem gilt als sicher, dass eine unbestimmte Zahl von Flüchtlingen als Asylanten anerkannt wird und damit auch in der Bergstadt geeigneter Wohnraum für die Neubürger nötig ist.

Laut Bärwolf will die Stadt Flüchtlinge mit dauerhaftem Bleiberecht dezentral ins Stadtgefüge integrieren. Gelingt das nicht ganz, sind aber auch gewisse Wohnraum-Ballungen vorstellbar. So vielleicht auf der Rätherwiese. Die erstreckt sich entlang der Herscheider Landstraße zwischen Bierbaum und dem Sportplatz Höh, der auch für die Flüchtlingsunterbringung eingeplant ist.

Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung die Wiese für den Bau von Einfamilienhäusern vorgesehen. Angesichts der Flüchtlingskrise favorisiert sie laut Bärwolf nun eine „Mischbebauung“ mit Einfamilienhäusern sowie Mehrfamilienhäusern im sozialen Wohnungsbau. Die Sozialwohnungen wären dabei nicht nur Flüchtlingen vorbehalten. Aber auch eine großflächige Bebauung der Rätherwiese mit Sozialwohnungen scheint nicht völlig ausgeschlossen.

Beide Varianten stoßen bei den Anwohnern auf keinerlei Begeisterung. Eine Wortführerin des Protests war bei der Veranstaltung Ex-Bürgermeisterin Lisa Seuster. Ihre Worte: „Die Leute wollen hier keine Schlichtbauten. Und sie wollen wissen, was die Verwaltung vorhat.“ Und eine andere Anwohnerin in Richtung Martin Bärwolf: „Sie wollen uns veralbern.“

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