Parteiübergreifender Einsatz

Eingeengt zwischen Bus und Auto: Radler im MK in Gefahr

bus fahrrad
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Der Ausschuss will die Busspur an der Weststraße für Radfahrer freigeben. Allerdings ist die Stadt hier nicht zuständig.

„Das Leben als Radfahrer in Lüdenscheid ist gefährlich“, sagte Jupp Filippek am Mittwoch im Bau- und Verkehrsausschuss. Der Linken-Ratsherr muss es wissen. Er bewältigt in der Bergstadt fast jede Strecke mit dem Fahrrad.

Lüdenscheid – Aufgrund seiner Erfahrungen setzt er sich für eine fahrradfreundlichere Stadt ein. Damit ist Filippek nicht allein. Mit ihm traten am Mittwoch im Kulturhaus die Vertreter von Grünen, SPD, CDU und FDP im übertragenen Sinne gemeinsam in die Pedale.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand: 31.12.2019)

Auf der Tagesordnung standen eine ganze Reihe von Ideen, die das Leben für Radfahrer erleichtern sollen. Und das wird auch Zeit, wie der ADFC zuletzt festgestellt hatte. Deutschlandweit landete die Bergstadt beim Thema Fahrradfreundlichkeit auf dem letzten Platz. Wie weit der Weg noch ist, zeigen anschaulich die Reaktionen auf ein Idee der Grünen, die Busfahrspur auf der Weststraße für Radfahrer freizugegeben.

Radler im MK in Gefahr: Fahrradunfreundlichste Stadt Deutschlands

Die Weststraße ist als Umleitungsstrecke für den gesperrten Rathaustunnel derzeit eine zweispurige Einbahnstraße. Die linke Spur ist für den allgemeinen und die rechte Spur für den Busverkehr zugelassen. Nach Darstellung der Grünen „kommt es zu gefährlichen Situationen, weil die Radfahrer zum Teil von Autos überholt werden, ohne den Abstand von 1,50 Meter einzuhalten“. Teilweise würden sie auch genötigt, auf die Busspur auszuweichen, um sich zu schützen.

Während andere Städte wie Düsseldorf ihre Busspuren generell für Fahrräder und E-Autos freigeben, handelt es sich bei der Weststraße in Lüdenscheid um ein Einzelanliegen. Nina Niggemann-Schulte vom Fachdienst Verkehrsplanung sagte, dass die Freigabe der Busspur für den Radverkehr an dieser Stelle aus Sicht der Stadt „einen Komfort- und Sicherheitsgewinn“ für Radfahrer darstelle. Allerdings sei man nicht zuständig. Da die Weststraße eine Landesstraße ist, habe die Stadt das Anliegen an Straßen.NRW weitergeleitet. Dort wurde inzwischen ein Anhörungsverfahren gestartet. Märkische Verkehrsgesellschaft (MVG) und Polizei lehnen den Vorschlag aus Sicherheitsgründen ab, ohne nähere Erläuterungen zu liefern.

Lediglich die Feuerwehr habe ausführlicher geantwortet, sagt die Verkehrsplanerin. „Für den Fall, dass ein Bus hinter einem Radfahrer herfährt und sich dahinter ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr befindet, wäre es möglich, dass der Radfahrer das Martinshorn nicht hört und nicht reagiert“, fasste Niggemann-Schulte zusammen. Dies löste im Plenum Verwunderung aus. Ausschussvorsitzender Jens Holzrichter (FDP) vermutete, dass man mit dem Rad schneller ausweichen könne als mit dem Bus.

Radler im MK in Gefahr: Alle Fraktionen sind sich einig

Fachbereichsleiter Martin Bärwolf nahm die Feuerwehr in Schutz: „Das ist nicht nur dummes Zeug. Es geht in solchen Fällen immer um Abwägung von Interessen“, betonte Bärwolf. Er ermunterte den Ausschuss dennoch, dem Antrag zuzustimmen – auch wenn die Stadt, weil nicht zuständig – nichts versprechen könne. Der entsprechende Grünen-Antrag wurde daraufhin einstimmig angenommen, ebenso wie ein Antrag zur Straße Am Kamp, die ebenfalls für den Radverkehr freigegeben werden soll.

Allgemeine Zustimmung erfuhr auch die Bürger-Anregung von Christoph Riedel, der Radschutzstreifen auf allen Hauptverkehrsstraßen in Lüdenscheid forderte, um den Radfahrern „die Angst vor dem immer noch dichten Autoverkehr in unserer Stadt [zu] nehmen“. Zwar ist auch hier die Stadt an vielen Hauptverkehrsstraßen nicht Baulastträger, gleichwohl beauftragte der Ausschuss die Verwaltung, ihr Engagement im Bereich Radverkehrsplanung zu verstärken. „Die Anregungen des Herrn Riedel sollen dort, wo es möglich ist, schnellstens umgesetzt werden“, heißt es im Beschluss. Auch der Antrag der Grünen für ein Radverkehrskonzept wurde durchgewunken; alle Fraktionen waren sich jedoch einig, dass der Radverkehr nur ein Baustein eines verkehrsträgerübergreifenden Mobilitätskonzepts für Lüdenscheid sein könne. Dazu wurde schon ein Förderantrag gestellt (» INFOKASTEN) – als ein erster Pedaltritt auf einem langen Weg.

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