„Weg ist de Frümdlink ut Westfalen“

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Johannes Schwarte trug die Lieder vor.

Lüdenscheid - „Was willst du Fremdling in Westfalen, im alten deutschen, freien Land?“ Kämpferische Klänge waren beim jüngsten Vortrag im Begleitprogramm zur Napoleon-Ausstellung im Städtischen Museum zu hören. Und die Zeile hatte es in sich, weil sie 1809 die Melodie der Marseillaise mit westfälischer Mundart verband: „Wat wult du Frümdlink in Westfalen, in’t alde duitske, vrye Land?“

Lieder aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon hatte das Quartett „Geschichte im Lied“ mitgebracht, und die umgeschriebene Hymne der französischen Revolution gehörte zu den eindrücklichsten Vorträgen von Sänger Dr. Johannes Schwarte. Begleitet wurde er von Ralf Junghöfer am Klavier und Dominik Hahn am Schlagzeug. „Unser Liederabend will zeigen, wie sich das deutsche Nationalbewusstsein am Widerstand gegen Napoleon entzündet hat“, begrüßte Markus von Hagen die recht zahlreichen Besucher im Museum.

Johannes Schwarte sang von der deutschen Muttersprache als einigendem Band, vom Entsetzen über den Tod von 600 000 Soldaten Napoleons, die nicht mehr vom Russlandfeldzug zurückkamen, vom Widerstand der Tiroler. Ansporn für Andere sei der Kampf unter ihrem Volkshelden Andreas Hofer gewesen, der „Zu Mantua in Banden“ einem Erschießungskommando in die Augen sah. Die Deutschen scharten sich um König Friedrich Wilhelm III., ließen ihn auf die Melodie der späteren deutschen Nationalhymne hochleben, und auch der König fand ganz neue Töne: „An mein Volk“ war sein Aufruf überschrieben, mit dem er sein Zaudern vor dem scheinbar übermächtigen französischen Gegner überwand.

Auch die weiteren Lieder folgten den Stationen der Geschichte von der Völkerschlacht bei Leipzig über den Einmarsch deutscher Truppen in Paris bis zur Schlacht von Waterloo. „Weg ist de Frümdlink ut Westfalen“, freute man sich hierzulande. Doch die Befreiungskriege brachten letztlich nicht die erhoffte Freiheit: „Man gab uns viele schöne Worte“ hieß es in einem Protestlied gegen die Beschlüsse des Wiener Kongresses. So war an diesem langen Abend im Museum viel kennenzulernen. Ergänzt wurden die Lieder durch Bildmaterial, das die Zeit der Befreiungskriege illustrierte und die Lieder und die einführenden Texte von Markus von Hagen zu einem Multimedia-Ereignis vervollständigte. -  thk

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