Weißer Ring: Psychische Schäden nach Einbrüchen

Dominik Petereit: „Ein Einbruch ist keine Bagatelle.“

Lüdenscheid - Die Fakten sprechen für sich: Die Zahl von Tageswohnungseinbrüchen ist laut aktueller Statistik der Polizei um 33,6 Prozent auf 330 im Märkischen Kreis angestiegen.

Diskutiert werden zurzeit schärfere Bauvorschriften, die bundesweit bei Neubauten Mindeststandards für den Einbruchschutz festlegen. Versicherungen beziffern den Schaden durch Wohnungseinbrüche 2012 auf rund 600 Millionen Euro.

Die materiellen Auswirkungen durch unbekannte Täter, die in Häuser und Wohnungen einbrechen und Schränke und Schubladen durchsuchen, lassen sich grob beziffern, die psychischen aber sind schwer in Zahlen zu fassen. Denn sie spielen sich in den Köpfen der Opfer ab, deren persönlicher Schutzraum durch das Eindringen Fremder breite Risse erhalten hat, die so schnell nicht mehr zu kitten sind.

Dominik Petereit, Außenstellendienstleiter des Weißen Rings, hat zwar mehr mit dem Ausgleich finanzieller Schäden zu tun, weiß aber dennoch um psychologische Folgen für die Betroffenen. „Ein Einbruch ist keine Bagatelle. Wenn uns Menschen aufsuchen, die seelische Unterstützung benötigen, verweisen wir an psychologische Beratungsstellen. Denn dafür sind wir nicht geschult.“ Aber nur sehr selten meldeten sich Einbruchsopfer. „Ich denke, die Hemmschwellen sind hoch, weil sie ihre Ängste nicht nach außen tragen wollen.“ Daher könne er sich der Forderung von Weiße-RingSprecher Veit Schiemann nur anschließen, der mehr Geld für die Prävention von Kriminalität einfordert. „Dafür müssten sich Fachleute unterschiedlicher Couleur an einen Tisch setzen und ihre Ergebnisse dann transparent machen.“

„Ein Einbruch in die Wohnung ist auch immer ein Einbruch in die Intimsphäre, der die Seele der Opfer beschädigt. Die vorherige Sicherheit, die Stabilität und der Heimatschutz geraten arg ins Wanken oder sind vollkommen weg. Das kann zu einem Trauma werden, wenn das durch den Einbruch ausgelöste Gefühl von Angst immer wieder auftaucht“, sagt Diplom-Sozialarbeiter Dieter Löbel von der Psychologischen Beratungsstelle an der Lessingstraße.

Das Beratungsteam hat immer wieder mit Opfern von Einbrüchen zu tun. „Mit neuen Fenstern oder einer Alarmanlage kann man die äußeren Bedingungen verbessern. Es gilt aber auch, seine innere Burg wiederzufinden, die Wahrnehmung fürs Gute zu schärfen und die eigenen Kräfte zu stärken, um sich wieder einen sicheren Schutzraum aufzubauen.“ - my

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