Tauchsieder-Attacke - Verfahren eingestellt

Lüdenscheid/Hagen - Viele Zeugenaussagen, doch keine eindeutigen Beweismittel: Am dritten von vier geplanten Verhandlungstagen im „Tauchsieder“-Prozess gegen einen 22-jährigen Angeklagten stellte die 4. große Strafkammer das Verfahren wegen schwerer räuberischer Erpressung ein – nach einem „merkwürdigen Verfahren – um es vorsichtig zu sagen“, wie der Vorsitzende Richter Marcus Teich in seiner Urteilsbegründung anmerkte.

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Tauchsieder-Attacke vor dem Landgericht

Verurteilt wurde der 22-Jährige nur wegen einer uneidlichen Falschaussage im Prozess gegen jenen Mann, der sich an ihm für die Misshandlung seines Bruders hatte rächen wollen. Im Landgericht hatte der Angeklagte in dessen Prozess 2013 ausgesagt, dass er lediglich eine Rötung auf den Wangen des Opfers gesehen haben wollte. Alle Zeugenaussagen im Verfahren hatten jedoch deutlich gemacht, dass die kreisförmig angeordneten Brandblasen kaum zu übersehen gewesen seien. Im jetzigen Verfahren konnte aber nicht nachgewiesen werden, dass der Angeklagte diese Misshandlungen gebilligt oder gar initiiert hatte.

„Es ist schwierig, konkrete Feststellungen zu treffen“, erklärte der Vorsitzende Richter Marcus Teich nach einer Zwischenberatung der Strafkammer und zählte die unterschiedlichen Möglichkeiten auf: Der Angeklagte könne schuldig im Sinne der Anklage sein oder sich zwar keiner räuberischen Erpressung, aber doch einer Nötigung zur Wiedererlangung seines Eigentums schuldig gemacht haben. Als dritte Möglichkeit hielt es der Richter für „denkbar, dass der Angeklagte mit dem, was der Haupttäter veranstaltete, nicht mehr viel zu tun hatte“.

Eben diesen Haupttäter hatte das Gericht vor dem Urteil noch ausfindig machen können – in einer Strafanstalt des Landes Nordrhein-Westfalen, wo er derzeit eine Ersatzfreiheitsstrafe wegen einer nicht gezahlten Geldbuße verbüßt. Wegen der Tauchsiederattacke, die nur der Höhepunkt der brutalen Misshandlung zweier junger Männer gewesen war, wurde er nie verurteilt. Dieses Verfahren sei mit Blick auf zwei weitere Verurteilungen im Bereich „zwischen einem und zwei Jahren“ eingestellt worden, erklärte Rechtsanwalt Dr. Ralf Bleicher, der den Angeklagten des am Dienstag beendeten Prozesses vertrat.

Vor Gericht wollte sich der Zeuge weder an den von ihm eingesetzten Tauchsieder, noch an sonst irgendetwas erinnern, was in der Nacht vom 30. zum 31. Oktober 2010 geschehen war.

Der Staatsanwalt nahm das zum Anlass, über ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage nachzudenken.

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