Die „Geschlossene“ rückt für den Angeklagten näher

Lüdenscheid - Im Prozess gegen einen 50-jährigen Lüdenscheider, der sein Zimmer im Haus Hellersen in Brand gesteckt hatte, sieht es nach dem zweiten Verhandlungstag nach einem formalen Freispruch aus.

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50-jähriger nach Brandstiftung sicherer untergebracht

Der psychiatrische Gutachter Dr. Patrick Debbelt attestierte dem 50-Jährigen eine schwere psychotische Störung, die seine Einsichts- und Steuerungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt, wenn nicht sogar aufgehoben habe. „Imperative Stimmen lagen zum Zeitpunkt der Tat sicherlich vor“, fasste Debbelt die Situation des Beschuldigten zusammen, der vor der Brandstiftung über einen längeren Zeitraum hinweg die Einnahme seiner Medikamente verweigert hatte.

Gleichzeitig sah der Experte die Voraussetzungen für eine Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung als gegeben an. Jede andere Möglichkeit, wie etwa die Unterbringung in einer Wohngruppe oder einer eigenen Wohnung überfordere den Patienten derzeit. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass so etwas wieder passiert“, sagte der stellvertretende Leiter der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer.

Debbelt hatte den Beschuldigten schon lange vor dem Brand gekannt, weil dieser wegen seiner Beschwerden immer wieder nach Hemer gekommen war – 51 Mal, wie der Arzt vorrechnete. Anlass waren Symptome einer typischen Schizophrenie, die eigentlich viel früher und konsequenter hätte behandelt werden müssen. Das aber ließ der Patient nicht zu: Obwohl er aufgrund seines akuten Leidensdrucks teilweise lange Strecken zu Fuß nach Hemer gelaufen war, verließ er die Einrichtung immer wieder, sobald es ihm etwas besser ging. Die Klinik hatte dagegen keine Handhabe, „weil es freiwillige Aufenthalte waren“. Dem 50-Jährigen habe dauerhaft die Einsicht in seine Krankheit gefehlt. Deshalb habe er wiederholt und über längere Zeiträume hinweg die Einnahme von Medikamenten verweigert. Der Beschuldigte zeige deshalb Anzeichen eines „natürlichen Verlaufs der Krankheit Schizophrenie“ mit nur noch geringen Therapiechancen – eine Diagnose, die durch Medikamente und die vorhandenen Therapiemöglichkeiten selten geworden sei.

Trotz seiner derzeitigen Skepsis hielt Dr. Patrick Debbelt es für möglich, dass der 50-Jährige nach drei bis vier Jahren in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik möglicherweise wieder in ein Einzelzimmer in einer offenen Einrichtung zurückkehren könne. „Er ist kein aggressiver Mensch. Er ist niemand, der hinter den Plexiglasmauern von Eickelborn gut untergebracht ist.“ - von Thomas Krumm

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