50-jähriger nach Brandstiftung sicherer untergebracht

Lüdenscheid - Für die Feuerwehr war es ein Routineeinsatz. Am 12. August 2012 brannte es im dritten Obergeschoss der „Waldvilla“, eines von etwa 30 Menschen bewohnten Gebäudes des Hauses Hellersen.

Bewohner wurden nicht verletzt, doch es entstand ein Sachschaden von rund 20 000 Euro. Das Feuer war schnell gelöscht, was mehrere Gründe hatte: Das installierte Brandmeldesystem hatte sofort angeschlagen und die Retter alarmiert. Der Brandschutzbeauftragte der Einrichtung war zudem auf der Hut, weil er den mutmaßlichen Brandstifter kurz zuvor ermahnt hatte, nicht in seinem Zimmer zu rauchen. Dafür hatte er nur böse Worte geerntet.

„Das kam öfters vor – da musste man nicht drauf eingehen“, sagte der 45-jährige Zeuge am Dienstag im Landgericht Hagen. Dort geht es um die Zukunft des 50-jährigen Beschuldigten, der nach diesem Wortwechsel sein Bett in Brand gesteckt haben soll. „Ich wollte sehen, was passiert“, sagte der Beschuldigte, der sich auch an ein Feuerzeug, etwas Rotes, etwas Schwarzes, Flammen und Qualm erinnerte. „Ich wollte unbedingt weg.“

Da das Haus Hellersen ein Ort ist, an dem psychisch und geistig behinderte Menschen nicht weggeschlossen werden, kam der Beschuldigte relativ weit bis zur Kreuzung Paulmannshöher Straße/Herscheider Landstraße. Dort befindet sich ein Aldi-Markt, in dem der 50-Jährige regelmäßig Alkoholika kaufte. Doch dazu kam es nicht mehr, weil die Polizei den Mann vorläufig festnahm.

Die vor Gericht aussagenden Pflegefachkräfte waren sich einig, dass der von ihnen als „sehr verschlossen“ und „uneinsichtig“ geschilderte Bewohner recht trinkerfahren war und seine Medikamente nicht mehr nahm.

Auch die regelmäßigen Termine bei den Ärzten habe der 50-Jährige nicht mehr wahrgenommen. All das empfahl den Beschuldigten nicht für eine so freizügige Unterbringung, wie sie im Haus Hellersen möglich ist. Seine Erklärungen deuteten zudem auf eine schwere psychotische Erkrankung hin: Er habe Stimmen gehört und sich verfolgt gefühlt, erinnerte er sich und bedauerte das Geschehene: „Schade, dass das passiert ist.“

Im Landeskrankenhaus Lippstadt-Eickelborn, wo er seit sechs Monaten untergebracht ist, sei „alles abgeschlossen“: „Ich will da unbedingt weg.“ Wohin der weitere Lebensweg des 50-Jährigen gehen wird, hängt nun von der Entscheidung der 6. großen Strafkammer des Landgerichts ab. Fünf Berufsjuristen, zwei Schöffen und drei Gutachter bemühen sich dort um eine Lösung für die Unterbringung des Angeklagten, der im „Zustand der Schuldunfähigkeit“ gehandelt haben soll.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

- von Thomas Krumm

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