Schießerei am Wehberg: Rätsel um gesuchtes Opfer

Lüdenscheid - Das Rätsel um den verschwundenen Hauptbelastungszeugen macht die Wahrheitsfindung für das Schwurgericht komplizierter. Warum der Lüdenscheider, selbst ein polizeibekannter Drogendealer und -konsument, abgetaucht ist, regt Prozessbeteiligte und -beobachter zu Spekulationen an.

Von Olaf Moos

Möglicherweise, heißt es, habe das Opfer der Schießerei auf der Wehberger Straße Angst, sich im Zeugenstand selbst zu belasten – weil es den Racheakt durch übelste Misshandlungen eines der Angeklagten erst provoziert hat. Nicht ausgeschlossen scheint aber auch, dass er in der Szene Druck bekommen hat und um sein Leben fürchten muss, wenn er gegen die drei Beschuldigten aussagt. Die Attacke vom 7. Juni überlebte er immerhin nur knapp und durch eine Notoperation. Finden die Behörden den Gesuchten nicht, und bleiben die Angeklagten in dem Prozess stumm, kündigt sich ein zäher Indizienprozess an.

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Welche Trümpfe Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer dabei gegen das Trio in der Hand hat, wurde in diesem frühen Stadium des Prozesses noch nicht erörtert. Klar ist aber, dass es neben den Aussagen direkter Tatzeugen und noch ausstehenden Vernehmungen von Zeugen aus dem Umfeld der Angeklagten und des Opfers seitenweise Protokolle aus Telefonüberwachungen und SMS-Unterhaltungen gibt.

Unter anderem wissen die Ermittlungsbehörden deshalb, dass die mutmaßlichen Täter nach den Schüssen auf den Lüdenscheider zu dessen Wohnadresse gefahren sind und ihm dort noch einmal auflauern wollten. Doch der Mann war längst auf dem Weg in den Operationssaal. Da, so heißt es in einer Mitteilung des Landgerichts, seien sie nach einigen Minuten davongefahren.

Belegt ist nach Erkenntnissen der Ermittler auch, dass es drei Tage nach der Attacke mit der Pistole ein weiteres Treffen zwischen dem Opfer und dem Angeklagten aus Lüdenscheid kam. Danach habe der 26-Jährige die Stadt verlassen und zu den Mitangeklagten in Bergheim gefahren. Parallel soll er weiter seine Drogengeschäfte abgewickelt haben. Am 24. Juni wurde er am Hagener Hauptbahnhof festgenommen, weil er sich im Besitz von 500 Gramm Amphetamin befand.

Der Prozess wird am Mittwoch um 9.30 Uhr im Saal 201 des Landgerichts fortgesetzt.

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