Tatorte in Lüdenscheid, Halver, Altena und Drolshagen

Spielhallen-Überfälle: Opfer kommen ausführlich zu Wort

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Vor dem Landgericht Hagen müssen sich vier Männer aus Meinerzhagen und Lüdenscheid wegen einer Serie von Spielhallen-Überfällen verantworten.

Lüdenscheid - Menschen reagieren sehr unterschiedlich auf Raubüberfälle. Das zeigte sich am Mittwoch im Landgericht Hagen am zweiten Verhandlungstag gegen vier Angeklagte aus Lüdenscheid und Meinerzhagen. Sie hatten im September und Anfang Oktober 2016 Spielhallen in Lüdenscheid, Halver, Altena und Drolshagen überfallen.

Jene Menschen, die den Tätern und ihren Waffen jeweils gegen ein Uhr nachts gegenüber gestanden hatten, kamen ausführlich zu Wort. Ihre Reaktionen auf die Bedrohung waren dabei sehr unterschiedlich gewesen. 

Eine 54-jährige Spielhallenaufsicht aus Drolshagen garnierte ihre äußerst lebendige Schilderung der Verhandlungen mit den Tätern mit dem Satz: „Mir war schon ein bisschen wackelig in den Knien.“ Am Abend nach dem Überfall ging sie nicht arbeiten, weil sie danach noch bis sieben Uhr morgens ihre Beobachtungen zu Papier gebracht hatte. 

Der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz würdigte ihren forschen Umgang mit dem Erlebnis: „Sie erzählen das, als hätten Sie gestern einen Tatort gesehen!“ Letztlich holten die Ereignisse aber auch diese Zeugin ein: Vier Wochen war sie krankgeschrieben, danach ging sie wieder arbeiten. 

Robust ging auch eine 45-jährige Spielhallenaufsicht aus Altena mit dem Überfall um. Als es zunächst nur eine Hand mit einer Pistole durch den Türrahmen der Spielothek in der Rahmede geschafft hatte, hielt sie mit ganzer Kraft dagegen. Drei Männer konnte sie auf diese Weise allerdings nicht lange aufhalten. Auch ihr hatte es offenbar gut getan, aktiv in das Geschehen einzugreifen und nicht nur zum Opfer zu werden: „Ich war sauer, weil ich so ein Verhalten unmöglich finde“, beantwortete sie die Frage nach ihrer Befindlichkeit. „Ich bin zum Glück nicht sehr ängstlich.“ Einen Tag nach dem Überfall war sie wieder arbeiten gegangen. 

Davon konnte von der Aufsicht in Lüdenscheid gar keine Rede sein: Die 52-Jährige schien schon die Frage, ob sie dort noch arbeite, abwegig zu finden. Sie musste drei Wochen in eine psychosomatische Klinik und war anschließend noch ein Jahr lang arbeitsunfähig. „Wenn ich an der Spielhalle vorbei muss, mache ich einen großen Bogen.“

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