Prozess gegen Zuhälter: Urteil verzögert sich

Lüdenscheid - Die Geschichte der beiden mutmaßlich brutalen Zuhälter ist auch die Geschichte über ihr Opfer. Aus Sicht eines Bekannten der beiden Angeklagten ist die junge Prostituierte „leicht pummelig und hat schwarzes lockiges Haar“. Und die Augenfarbe? „Habe ich nicht drauf geachtet.“

Von Olaf Moos

Aus Sicht ihres Stiefvaters ist sie ein „psychisch krankes Mädchen“, das „grauenvoll misshandelt“ wurde und ansonsten nichts erzählt – „als wenn sie eine Mauer um sich herum gebaut hätte“.

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Im Zeugenstand kauert ein 74-jähriger Mann, der seine Erinnerungen zusammenkramt. Er berichtet über einen Streit seiner Stieftochter mit seiner Frau. „Die hatten fürchterliches Theater, und dann war sie ein halbes Jahr weg, ist kommentarlos abgehauen.“ Über den Grund für den Streit kursiert das Gerücht, die 19-Jährige sollte zwangsverheiratet werden. Das besagt auch die Version der Beschuldigten. Der Zeuge bestreitet. „Davon war nie die Rede.“ Aber verstanden hat er nicht, worüber die beiden Frauen gestritten haben. Denn sie sprachen albanisch, wie im Herkunftsland seiner Frau. „Aber meine zwölf und 14 Jahre alten Kinder sind deutsche Staatsbürger.“

Nach Monaten der Ungewissheit steht das Mädchen plötzlich wieder vor der Tür. Es berichtet, erinnert sich der Zeuge, über drei Männer, die sie zusammengeschlagen hätten, dass die ihr das ganze Geld abgenommen hätten – und dass sie in ein Frauenhaus nach Düsseldorf gegangen sei. „Aber wo sie wirklich war, weiß ich nicht. Ich habe auch keine Ahnung, wo sie jetzt ist.“ Ab und zu telefoniere man miteinander. Er habe von ihr erfahren, sagt der Stiefvater, dass sie in psychologischer Behandlung sei und Medikamente nehme. „Über den Grund dafür hat sie mir nichts erzählt.“ Und darüber, dass sie als Prostituierte Geld verdient, auch nicht.

Das Gericht unter Vorsitz von Marcus Teich hat erkannt, dass der ursprüngliche Terminplan nicht einzuhalten ist. Der Prozess wird sich aller Voraussicht nach bis weit in den März hinein ziehen. Derweil kühlt sich das Verhältnis zwischen der Rechtsanwältin des Opfers, Petra-Maria Borgschulte aus Hamm, und dem Verteidiger-Trio, bestehend aus Burkhard Benecken, Dirk Löber und Andreas Trode, merklich ab.

Auch die fehlende forensische Beurteilung des Älteren der beiden Zuhälter sorgt für Probleme. Der 25-Jährige lehnt es ab, sich untersuchen zu lassen.

Der Prozess wird am Montag um 9 Uhr im Saal 201 fortgesetzt.

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