Makler-Prozess: Vieles vergessen und verjährt

Lüdenscheid - Ein bisschen abgerissen wirkt er, gar nicht wie ein smarter Versicherungsmakler. Wirres Haar, graue Bartstoppeln, müder Blick, Schlabberhosen. Aber der 63-Jährige war vor zehn Jahren offenbar noch ein gefragter Dienstleister – vornehmlich bei seinen griechischen Landsleuten in Lüdenscheid und Umgebung. Und hat nach Überzeugung des Staatsanwalts durch Betrügereien und Urkundenfälschungen kleine Leute um ihr Angespartes geprellt.

Dabei war der Trick laut Anklage ganz einfach. Ohne das Wissen seiner Kunden kündigte er deren Lebens- oder Bausparversicherung, nahm die Verrechnungsschecks mit den Rückkaufwerten entgegen und ließ sich insgesamt mehr als 8000 Euro auf seinem Konto gutschreiben. Er sagt: „Ich habe das Geld weitergegeben.“ Aber an alles könne er sich auch nicht mehr erinnern.

Strafrichter Thomas Kabus sagt: „Die Zeugen sagen, sie hätten nichts gekriegt und hätten die Kündigungen auch gar nicht gewünscht.“ Der Angeklagte antwortet: „Das verstehe ich nicht.“ Er sei ja in Griechenland schon wegen solcher Dinge beschuldigt worden, „aber da habe ich mein Recht gefunden.“ Im übrigen „habe ich keine Unterschriften gefälscht“.

Das sieht ein Opfer seiner Machenschaften anders. Eine Fabrikarbeiterin (53) hat ihn angezeigt, nachdem er mit ihrem Geld untergetaucht war. Der Richter zeigt ihr eine Quittung mit ihrem Namen. Sie schaut kurz darauf und sagt: „Das ist nicht meine Unterschrift.“

Ein Lagerarbeiter aus Lüdenscheid berichtet über fünf Versicherungen „über insgesamt 20 000 Euro“. Er vermeidet es, den Angeklagten anzuschauen. „Ich habe ihm vertraut.“ Aber dann sei der Kerl „ganz einfach verschwunden. Ich hatte keinen Scheck, gar nichts habe ich gekriegt“. Aber Einzelheiten? „Das ist schon so lange her.“ Der Richter bezeichnet die Beweislage als „extrem vage“.

Der ehemalige Hauptbevollmächtigte der in Athen ansässigen Versicherungsgesellschaft, ein Betriebswirt aus Nettetal, berichtet, der Konzern sei 2011 von der griechischen Regierung aufgelöst worden. Ein Kripo-Mann kann sich nur noch an „ergaunerte Policen“ erinnern , „dann war er plötzlich in Griechenland“.

So schleppte sich das Verfahren hin. Der überwiegende Teil der Straftaten ist verjährt. Im Fall der geprellten Fabrikarbeiterin verurteilt Richter Kabus den Angeklagten wegen Betruges und Urkundenfälschung zu einer Geldstrafe: 1200 Euro. - von Olaf Moos

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