Landgericht: Keine Absprachen, kein Komplott

Strafverteidiger Andreas Trode mit seinem Mandanten

Lüdenscheid - Es wird immer „enger“ für "Vassili". Der Lüdenscheider ist unter anderem wegen erpresserischen Menschenraubes angeklagt. Und den massiv belastenden Zeugenaussagen seiner mutmaßlichen Opfer steht nach wie vor allein dessen eigene Version gegenüber.

Der Fall

Ein 29-jähriger Lüdenscheider ist wegen erpresserischen Menschenraubes und einer Reihe anderer Verbrechen angeklagt. Er soll seine Opfer systematisch bedroht, verletzt und um ihr Eigentum gebracht haben. Nach seiner Flucht nach Griechenland wurde er in Thessaloniki gefasst und den deutschen Behörden ausgeliefert. Der Prozess soll bis Mitte Januar dauern und wird am 6. Januar um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Danach haben die jungen Männer und die Frau, die über Erpressung und Bedrohung und Misshandlung durch „Vassili“ berichtet haben, angeblich mit ihm zusammen Drogengeschäfte abgewickelt und Schulden bei ihm auflaufen lassen.

Doch egal ob vor Ermittlern der Kripo, vor dem Haftrichter oder vor den Schranken des Gerichts: Die Darstellungen der Belastungszeugen klingen konstant und stabil. Es offenbaren sich keine Absprachen oder gar ein Komplott gegen den 29-Jährigen.

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Am letzten Verhandlungstag des Jahres in diesem Prozess stützt auch die umfangreiche Aussage des Raubsachbearbeiters der Kriminalpolizei diesen Eindruck. Der 50-jährige Fahnder sammelte monatelang Informationen über „Vassili“ – und war augenscheinlich kurz davor, die „Jagd“ erfolgreich zu beenden. Doch die Flucht des Beschuldigten in die nordgriechische Metropole Thessaloniki machte dem Hauptkommissar zunächst einen Strich durch die Rechnung.

Statt sich den Behörden zu stellen, meldete sich „Vassili“ telefonisch aus Griechenland. Der Ermittler bezeichnet den rund zehnminütigen Anruf auf der Dienststelle als „recht spektakulär“. Der Zeuge: „Er ratterte sofort los, die Vorwürfe gegen ihn seien alle erlogen.“ Der Angeklagte habe bestritten, eine Pistole benutzt zu haben, und er habe auch bei dem Einbruch bei der jungen Frau an der Gartenstraße „nichts entwendet“. Der Zeuge weiter: „Er hat dann am Telefon angekündigt, er werde zehn Jahre in Griechenland bleiben. Und er würde nicht ausgeliefert, da habe er sich erkundigt.“

Zumindest diese Behauptungen ist seit der Festnahme in Thessaloniki und der Auslieferung widerlegt. Seine Behauptung, der Lebensgefährte der jungen Frau sei der wahre Schuldige, steht nach wie vor im Raum. Danach war auch der – ein in Lüdenscheid lebender Marokkaner – in Kokain-Geschäfte verwickelt. Tatsächlich wurden bislang dessen Schwester und Vater wegen Drogenhandels überführt und eingesperrt.

Bei der Durchsuchung von „Vassilis“ Habseligkeiten in der Wohnung seiner Ex-Freundin an der Glatzer Straße fanden Polizisten unter anderem acht Tüten mit Rauschgift sowie diverse Kredit- und Scheckkarten und Handyrechnungen.

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