Plädoyers, aber noch kein Urteil

Prozess um Brandstiftung an der Bayernstraße endet erst am Donnerstag

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Die Staatsanwältin ist sicher, dass der Angeklagte den Tod von Menschen in Kauf nahm.

Hagen/Lüdenscheid – Verschoben wurde am Freitag die Urteilsverkündung im Prozess gegen einen 32-jährigen mutmaßlichen Brandstifter, der Ende Mai 2018 zwei Wohnhäuser an der Lüdenscheider Bayernstraße in Brand gesetzt haben soll.

Nach den Plädoyers wollte sich die Schwurgerichtskammer vor der Entscheidung noch einmal ohne Zeitdruck zusammensetzen. Das Urteil soll nun am Donnerstag ab 14 Uhr verkündet werden.

Staatsanwältin Heike Hemme beantragte am Ende eines mit viel Leidenschaft vorgetragenen Plädoyers eine Haftstrafe von zwölf Jahren für den Hauptangeklagten. Er habe den Tod von 28 teilweise schlafenden und „völlig arg- und wehrlosen Menschen“ in Kauf genommen, als er die beiden Wohnhäuser nach der Verteilung von 75 Litern Benzin abfackeln und dadurch völlig zerstören wollte. 

Akute Lebensgefahr für die Bewohner

Eine fünfköpfige Familie musste dabei von der Feuerwehr gerettet werden, weil ihr und anderen Bewohnern durch die Brandentwicklung der Fluchtweg durch das Treppenhaus abgeschnitten war. „Es bestand akute Lebensgefahr durch Ersticken“, sagte die Staatsanwältin.

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Sie verwies auf die Folgen für Kinder, die mit ihren Eltern von heute auf morgen aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen wurden und noch lange nach dem Brand an Angst- und Panikzuständen litten. 

Gesamten Hausrat verloren

Alle Bewohner mussten ausziehen und verloren aufgrund der starken Rußentwicklung ihren gesamten Hausrat. Die Behauptung des Angeklagten, er habe alle Bewohner warnen wollen, damit niemand zu Schaden kommt, sei vor dem Hintergrund des von ihm mit Hilfe seiner Frau in Szene gesetzten Alibis nicht glaubhaft. 

Das Paar war am Abend vor der nächtlichen Tat mit seinen beiden kleinen Kindern in ein Spaßbad nach Köln gefahren und hatte sich anschließend in einem Hotel in Leverkusen einquartiert.

Überwachungskamera liefert Hinweise

Aufzeichnungen von dessen Überwachungskamera unterstrichen schon früh den Verdacht, dass der Angeklagte sich in jener Nacht auf den Weg nach Lüdenscheid gemacht hatte. 

Es tue ihr leid, dass sie ihrem Mann ein Alibi verschafft habe, sagte die 28-jährige Mitangeklagte im Letzten Wort und beteuerte noch einmal, von allem anderen nichts gewusst zu haben. 

Mitangeklagte soll auch ins Gefängnis

Das betrifft das fortlaufende Leerräumen der eigenen Wohnung, die sich in einem der Brandhäuser befand, und die intensiven Vorbereitungen ihres Mannes für die letztlich entfachten Brände. Benzingeruch und Klopfgeräusche waren vielen Bewohnern der Häuser in den Tagen vor dem Brand aufgefallen. 

Die Staatsanwältin beantragte gegen die 28-Jährige wegen Beihilfe zur besonders schweren Brandstiftung eine Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Ihre beiden Verteidiger widersprachen dieser Deutung und beantragten ihrerseits einen Freispruch. 

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