15 Prozent mehr Kirchenaustritte

Die Kirchenaustritte im Kreisdekant Altena-Lüdenscheid haben um gut 15 Prozent zugenommen.

MÄRKISCHER KREIS - Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche bewegte sich 2014 auch im Märkischen Kreis auf einem ungewohnt hohen Niveau. Nach eigenen Angaben verzeichnet das Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid 418 Austritte. Im Jahr 2013 waren es 362 – also ein Anstieg um 15,47 Prozent. Im Bistum Essen betrug der Anstieg 40 Prozent.

Für Kreisdechant Patrick Schnell, der auch Pfarrer in der Pfarrei St. Laurentius in Plettenberg und Herscheid ist, greift es aber zu kurz, Ursachen für die Austritte hauptsächlich in der Kirchensteuer zu suchen. Auf LN-Anfrage betonte er, dass für einige Menschen der Austritt keine Abkehr von der Kirche bedeute, manche besuchten auch weiterhin Gottesdienste. „Der Austritt heißt ja nicht, dass sie nicht glauben“, sagt der Kreisdechant, „das ist das Positive.“ Aber die persönliche Bindung zur Kirche sei nicht mehr so stark wie früher. Auch in der Religion setze sich eine zunehmende Individualisierung durch.

Letztlich werden die Menschen nicht nach den Gründen für ihren Austritt gefragt – aber genau das sei interessant, um zu erfahren, was die Kirche in den Augen derjenigen, die ihr den Rücken kehren, anders machen müsse.

„Vielleicht gehen wir auf die Fragen der Leute nicht ein – oder in einer Sprache, die sie nicht verstehen“, meint Schnell. In Familien, in denen die Kirche nicht mehr fundamentaler Bestandteil des Lebens sei, seien viele religiöse Inhalte längst nicht mehr so klar wie früher. Kirche müsse sich der Frage stellen, was die Menschen heutzutage in ihrem Leben suchen. Ältere Menschen hätten andere Ansprüche an Kirche als Jüngere.

Hinzu kommen weitere Herausforderungen für die katholische Kirche im Bistum Essen und im Kreisdekanat: Immer weniger Hauptamtliche müssen immer größere Flächen betreuen: „Da ist die persönliche Nähe allein von den Hauptamtlichen gar nicht zu leisten“, sagt Schnell. Außerdem wirke sich ganz abgesehen von den Austritten der demografische Wandel auch auf die Zahl und die Struktur der Katholiken in der Region aus. „Wie kann man mit weniger Katholiken gut und positiv Kirche sein?“

Das ist die zentrale Frage, die sich der Kreisdechant für die Zukunft stellt. Und der Papst? Oft zitiert und viel umjubelt. Müsste Papst Franziskus nicht ein Zugpferd sein? „Ja, schon möglich“, antwortet Schnell. „Aber ich glaube, der Papst steht für sich.“ Man könne ja auch den Trainer einer Mannschaft als Typ gut finden, ohne den gesamten Verein gut zu finden.

Stefan Kemper, Sprecher des Kreiskatholikenrates, dem Laiengremium der katholischen Kirche auf Dekanatsebene, sagt: „Auch unsere Verluste sind gravierend, liegen im diesem Jahr aber unter denen des Bistums. Zusammen mit den demografischen Problemen unserer Region stehen wir in den nächsten Jahren vor einer besonderen Herausforderung.“

Zum Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid gehören die katholischen Kirchengemeinden in Plettenberg, Herscheid, Werdohl, Neuenrade, Altena, Nachrodt-Wiblingwerde, Lüdenscheid, Meinerzhagen, Kierspe, Halver, Schalksmühle, Breckerfeld und Hagen-Dahl.

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