Arbeitgeberverband wertet Juni-Umfrage aus

74 Prozent (!) in Kurzarbeit: Mitarbeiter von Metall- und Elektrofirmen im MK leiden

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Lüdenscheid - Trotz der Corona-Folgen wollen 95 Prozent der Betriebe die Ausbildung unverändert fortführen. Das stellt der Arbeitgeberverband (AGV) in der Auswertung seiner Juni-Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben in NRW fest.

„Ich freue mich, dass die große Mehrheit der Unternehmen NRW-weit auch für die Ausbildungsjahre 2020/21 und 2021/22 bislang nur wenig Abstriche bei der Ausbildung planen muss“, kommentiert der Lüdenscheider AGV-Geschäftsführer Christian Lepping die Ergebnisse.

Die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie in NRW zeichnen monatlich Stimmungsbilder ihrer Mitgliedsunternehmen; auch der AGV Lüdenscheid unterstützt diese Umfragen. NRW-weit hatten sich mehr als 380 verbandsgebundene Betriebe mit fast 150 000 Beschäftigten beteiligt. Die gleiche Umfrage wurde im April und Mai durchgeführt, was eine längerfristige Einschätzung der Lage ermöglicht. Derzeit wird die Juli-Umfrage ausgewertet.

„Auftragslage bleibt schlecht, Kurzarbeit weiter hoch, Ausbildung weitgehend stabil“ – so lautet die Kurzfassung der Juni-Ergebnisse. Drei Monate nach Beginn der Pandemie-Einschränkungen bleibe die wirtschaftliche Lage eindeutig angespannt. Noch 69 Prozent der Unternehmen befanden sich zum Zeitpunkt der Umfrage in Kurzarbeit (Mai: 65 Prozent). Über alle Branchen hinweg seien 74 Prozent der Beschäftigten betroffen, deren Arbeitszeit um durchschnittlich 38 Prozent abgesenkt wurde.

„Unsere Region mit zahlreichen Zulieferbetrieben ist sogar noch deutlich stärker betroffen als der Landesdurchschnitt“, ist der Eindruck von Christian Lepping aus vielen Beratungsgesprächen. Die hohe Zahl von Kurzarbeitern zeige aber auch, dass die Unternehmen versuchten, die Belegschaften an Bord zu halten. Bislang hätten erst sieben Prozent der Befragten NRW-weit Mitarbeiter entlassen müssen. Allerdings hätten 36 Prozent angekündigt, die Zahl ihrer Beschäftigten in den nächsten drei Monaten zu verringern.

Der Umfrage zufolge ist die Produktion zu 48 Prozent (Mai: 47 Prozent) „stark“ bis „sehr stark“ eingeschränkt. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung liege bei schwachen 65 Prozent (Mai: 64 Prozent). Zum Vergleich: Die durchschnittliche Normalauslastung beträgt 85 Prozent. Nur wenige der Befragten rechneten demnach mit einer baldigen Erholung: Den Produktions-Stand von vor der Corona-Pandemie erwarten 22 Prozent der Betriebe für Ende des Jahres, 23 Prozent für Mitte nächsten Jahres und 11 Prozent sogar erst für Ende 2021. Nach Einschätzung von 44 Prozent sei ein Ende der tiefen Rezession derzeit nicht absehbar. Was bleibt, ist die Hoffnung, „dass der Wirtschaftsmotor möglichst schnell wieder anspringt“.

Der hiesige Arbeitgeberverband begleitet seine Mitgliedsunternehmen seit 1910 mit Rat und Tat durch gute und schlechte wirtschaftliche Zeiten. Trotz einer Zwangspause zwischen 1934 und 1947 blickt der Verband in diesen Wochen auf 110 Jahre lokaler Wirtschaftsgeschichte zurück.

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