Protest gegen Barockes schnell behoben

Professor Armin Schoof bot eine ungewohnt nüchterne Art solistischen Bekenntnisses auf hohem Niveau.

LÜDENSCHEID ▪ Wie recht er doch hatte, als er davon sprach, aus Lübeck zu kommen und knapp Unterschiede hervorhob: „Kirche und Orgel sprechen eine andere Sprache.“ Professor Armin Schoof vor Beginn seines Solokonzertes an sein Lüdenscheider Publikum gewandt. Zu Lübeck barocker Klang und in der Christuskirche die technisch wie klanglich restaurierte romantische Orgel. Nicolaus Bruhns‘ (1665-1697) Praeludium Nr. 1 in e, eingangs von Schoof genüsslich hin zu spielerischer Melodie ausgebreitet, und mit hohem Maß an Verständnis für die Struktur des Werkes dargeboten, ließ freudigst aufhorchen.

Irgendwie ist der Klang eines Komponisten der norddeutschen Orgelschule und dann auch noch drohender Bach zu viel. Die Königin der Instrumente hüstelt indigniert. Schoof unterbricht: „Da heult was“ und an die Zuhörerschaft: „Entschuldigung, da ist ein kleiner technischer Defekt. Da ist gelegentlich ein Ton, der da nicht hinein gehört.“ Ein ums andere mal Taste drücken. Die Orgel besteht auf ihrem Protest. Gelassenen Schrittes naht Kantor Wolfgang Kimpel. Kurzes Fachgesimpel. Schoof an die Allgemeinheit: „So etwas kann passieren. Herr Kimpel, der Organist, wird die Pfeife herausnehmen...“ Kimpel schnappt sich eine Leiter und begibt sich zu den Pfeifen. Er entreißt der Königin der Instrumente das Mittel zum Protest gegen Barockes. Nach dieser öffentlichen Form der Majestätsbeleidigung steigt er wieder die Leiter herunter.

Das Konzert kann weiter gehen. Natürlich mit Johann Sebastian Bach. Gänzlich ungewohnt im Klang, jedoch prächtig entfaltet vom Solisten des Abends, den das kleine Malheur nicht aus der Ruhe brachte. Praeludium et Fuga a-Moll (BWV 543) in hoch interessanter wie nüchterner Interpretation nahezu in der Art musikalischen Lehrvortrages. Von da an ging Schoof offener und mutiger mit den Registern um. So bei Carl Philipp Emanuel Bachs (1814-1788) Fantasia et Fuga c-Moll, da es zu Beginn freudig schwellend himmelwärts ging. Ein Genuss.

Weithin überzeugen konnte der Solist des Abends auch mit seinen freien Improvisationen. Zu Beginn ein wenig kontrastharmonisch angehaucht. Hie der gedämpft harmonische Rahmen und da der perlend freche Lauf mit Anklängen Neuer Musik. Es siegen schließlich Harmonie und gewohnte Tonalität. Spielfreudig geht Schoof da mit dem Register um, lässt Fagott , Flöten wie auch Holzbläser erklingen, findet sich in die Klangbreite des Instrumentes ein und schon geht es dem Finale der freien Improvisation zu.

Bei all dem im Programm enthaltenen Gotteslob eine ungewohnt nüchterne Art solistischen Bekenntnisses auf hohem Niveau.

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