Prof. Schmitt referiert bei „Grabt Brunnen“

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Prof. Karl Heinz Schmitt plädierte für die Freiheit des Glaubens. ▪

LÜDENSCHEID ▪ „Gott will, dass die Menschen in Freiheit leben“: Das war eine zentrale Aussage von Prof. Karl Heinz Schmitt am Sonntag im Markt der Stadtbücherei. Der ehemalige Rektor der Katholischen Fachhochschule Nordrhein-Westfalen hielt im Rahmen der Vortragsreihe „Grabt Brunnen, bevor der Durst kommt“ ein flammendes Plädoyer für die Freiheit der Menschen – die auch bedeutet, sich selbst für oder gegen die Religion zu entscheiden.

„Braucht der Mensch Religion? – Vom zwecklosen aber lebenswerten Glauben an Gott“ war der Vortrag überschrieben, in dem Schmitt ausführte, dass der Glaube sich nur biographisch erklären lasse: „Über den Glauben kann niemand objektiv reden.“ Daher stellte er seine eigene Glaubensbiographie an den Anfang seiner Ausführungen. „Normal aufgewachsen“ mit katholischer Jugendarbeit, , geprägt vom väterlichen katholischen Glauben studierte Schmitt Theologie während des Zweiten Vatikanischen Konzils, das die katholische Kirche maßgeblich verändern sollte. „Keiner wusste, was passieren würde“, so sei das Studium ein permanenter Austausch gewesen. Hinzugekommen sei der Freiheitsdrang der 68er-Generation. „Das sind die Grundpfeiler meines Lebens: Glauben und Freiheit“, sagte Schmitt.

Er habe für sich selbst die Möglichkeiten entdeckt, die die christliche Religion biete, in Freiheit zu leben. („Für die anderen Religionen kann ich nicht sprechen, die kenne ich zu wenig.“) Die Institution Kirche, Gottesdienste: Alles das sei von Menschen geschaffen: „Gott braucht das nicht“. Sein Interesse bestehe nur darin, für alle Menschen da zu sein. Das anzunehmen, entscheide jeder für sich selbst. „Wir können keinen Menschen zum Christen machen“, sagte Schmitt, denn letztlich könne niemand erklären, warum er sich öffentlich zum Glauben bekenne.

Die zehn Gebote sieht Schmitt als „Sicherheitsplanken für die Freiheit“. Sie seien ganz selbstverständliche Vorgaben, „damit ein Zusammenleben in Freiheit überhaupt möglich ist.“

Heiner Bruns, Leiter des Katholischen Bildungswerks Altena-Lüdenscheid, erinnerte an die Erfolgsgeschichte der Reihe „Grabt Brunnen“, zu der die Pfarrei St. Medardus und das Katholische Bildungswerk einmal im Jahr einladen. Inzwischen waren nunmehr zwölf namhafte Referenten zu Gast, die den Zuhörern Anregungen und Hilfen für ihren Alltag mitgaben, so Bruns als Moderator des Abends. Ebenso verhielt es sich am Sonntag. Dass Schmitt mit seinen provokanten Freiheitsgedanken, die durchaus auch ermutigten, sich von kirchlichen Dogmen zu lösen, viele Zuhörer zum Nachdenken brachte, zeigten die zahlreichen Fragen im Anschluss an das Interview durch Bruns.

Das Ehepaar Sylke und Ferdinand Riegel übernahm wie in den Vorjahren die musikalische Untermalung des Abend – diesmal mit Liedern zum Mitsingen. ▪ gör

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