Exklusives Interview

Produktpiraten kopierten Hightech-Gerät: Das sagt der Busch-Jaeger-Geschäftsführer

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Adalbert M. Neumann Vorsitzender der Geschäftsführung der Busch-Jaeger Elektro GmbH.

Lüdenscheid – Die chinesische Firma Hefei Ecolite Software Co. Ltd ist mit dem Negativ-Award „Plagiarius 2019“ für eine besonders dreiste Kopie eines Präsenzmelders ausgezeichnet worden. Das Original stammt vom Lüdenscheider Unternehmen Busch-Jaeger Elektro GmbH. Der Geschäftsführer im Interview.

Adalbert M. Neumann ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Busch-Jaeger Elektro GmbH. Er beantwortete die Fragen von Jan Schmitz zum konkreten Plagiats-Fall und den Auswirkungen von Produkt- und Markenpiraterie auf die heimische Wirtschaft. 

Wie und wann sind Sie auf die Fälschung aufmerksam geworden und was war Ihr erster Gedanke? 

Natürlich waren wir nicht erfreut, als wir von dem Plagiat erfahren haben. Erfindungsgeist, Know-how und Innovationskraft zählen zu den wichtigsten Unternehmenswerten von Busch-Jaeger. Daher ist es mehr als ärgerlich, wenn erfolgreiche Produkte wie unser Busch-Präsenzmelder gefälscht werden. 

Der Verein Plagiarius gibt auf seiner Homepage an, dass Sie das Produkt auch in China geschützt haben. Wie erklären Sie sich, dass es trotzdem zu dieser Kopie kam? 

Den Nachahmern ist es anscheinend egal, dass sie Schutzrechte verletzen und mit juristischen Konsequenzen zu rechnen haben. 

Gab es weitere Fälle, in denen Ihr Unternehmen von Produktpiraterie betroffen war? Können Sie einordnen, wie hoch der Schaden für Ihr Unternehmen ist? 

Es kommt glücklicherweise nicht so oft vor, dass unsere Produkte kopiert werden, da diese in der Regel Bestandteil von Anwendungslösungen und -Systemen sind. Aber in anderen Fällen haben wir die juristischen Möglichkeiten ausgeschöpft. Neben dem wirtschaftlichen Schaden ist insbesondere der Imageschaden beträchtlich. Produktpiraterie stellt eine enorme Bedrohung für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit dar. Ganzheitliche Lösungen, innovative Produktkonzepte, hohe Designqualität und intuitive Bedienung sind wesentliche Bestandteile der starken Marke Busch-Jaeger. Daher möchten wir die Endnutzer dafür sensibilisieren, beim Elektroinstallateur zu kaufen. Auch wenn die Plagiate oft täuschend echt aussehen, haben diese nicht die gleiche Qualität und Eigenschaften wie das Original und können sogar lebensgefährlich sein. Und gerade im Bereich der Elektroinstallation spielt immer auch der Aspekt Sicherheit eine elementare Rolle. 

Was müsste für einen besseren Schutz vor Produktpiraterie passieren? Welche Rolle spielt die Auszeichnung Plagiarius dabei? 

Die Verhinderung der Produkt- und Markenpiraterie ist eine Herausforderung, der sich alle Unternehmen stellen müssen. Das eigene Know-how verbunden mit dem guten Ruf der Marke zählen heutzutage zu den wichtigsten Erfolgswerten eines Unternehmens. Der Aufbau einer umfassenden Schutzstrategie im Unternehmen ist daher ein relevanter Wettbewerbsfaktor. Der Plagiarius bietet eine Plattform und macht auf die Vergehen in der Öffentlichkeit aufmerksam. Zusätzlich schärft die Auszeichnung das Bewusstsein für die Bedeutung gewerblicher Schutzrechte.

Zum Hintergrund

Der von der chinesischen Firma kopierte Präsenzmelder des Lüdenscheider Unternehmens Busch-Jaeger Elektro GmbH wird unter dem Namen KNX weltweit vertrieben. Von diesem Erfolg des heimischen Herstellers von Schaltern und Smarthome-Systemen wollten die chinesischen Produktpiraten offensichtlich profitieren. Das Plagiat ist vom Original für Laien kaum zu unterscheiden. 

Dreiste Kopie: Links ist der der Original-Präsenzmelder zu sehen, rechts das Plagiat.

„Design und Funktion wurden plump eins zu eins kopiert, allerdings ist das Plagiat leistungsschwächer und hat einen kleineren Erfassungsbereich. Das Vorgehen der Produktpiraten ist umso dreister, als dass Busch-Jaeger das Design nicht nur in der Europäischen Union, sondern auch in China schützen ließ“, schreibt der Verein Aktion Plagiarius e.V. in seiner „Würdigung“ des Negativ-Preisträgers. Busch-Jaeger Elektro hat 1.300 Mitarbeiter an den Standorten Lüdenscheid, Bad Berleburg und Aue.

Das Interview wurde per E-Mail geführt. 

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