Lebensgefahr auf der Empore in der Erlöserkirche

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Die „Führer-Orgel“ wird abgebaut und nach Polen gebracht. Dort sind die Vorschriften für den elektrischen Betrieb anders.

Lüdenscheid - Sechs Tonnen wiegt die „Führer-Orgel“ in der Erlöserkirche. Seit Januar 2014 sind es nutzlose sechs Tonnen. Die elektrischen Leitungen, die den musikalischen Betrieb gewährleisten (sollen), sind marode, entsprechen nicht mehr einem modernen deutschen Standard, sind hart an der Grenze zur Lebensgefahr. Die notwendige Folge: Die Orgel wurde vor knapp zwei Jahren stillgelegt.

In der kommenden Woche beginnen in der Erlöserkirche Abbauarbeiten. Mit großem Aufwand wird die „Führer-Orgel“ von einer Fachfirma demontiert. Das große Ziel, an dem seit Monaten im Hintergrund gearbeitet wird: Ein neues Instrument für die Empore, das Konzertmöglichkeiten erweitert und auch Auftritte internationaler Organisten möglich macht.

„Der Klang der Führer-Orgel ist technisch sehr begrenzt. Man kann nur Repertoire spielen, das heutzutage keiner mehr hören will“, sagt Kantor Dmitri Grigoriev. Eine teure Reparatur kam daher nicht infrage, zumal die Gemeinde das Geld dafür nicht aufbringen kann. In der Weihnachtszeit 2013 fragte der Rotary-Club bei Grigoriev an, ob er nicht im Januar in der Humboldtvilla einen Vortrag halten könne. Grigoriev ergriff die Gelegenheit beim Schopf und hielt den Vortrag – über die „Führer-Orgel“, 1898 als pneumatische Orgel erbaut mit 36 Registern, auf drei Manuale und Pedal verteilt. Das Instrument wurde seinerzeit von einer Frau namens Leonard Ritzel allein gestiftet. Erst 1953 initiierte Kantor Oswald Schrader dann den Umbau der Orgel. Das Instrument bekam eine elektro-pneumatische Traktur, der Spieltisch wurde auf die linke Seite der Empore verstellt. 1964 veranlasste Kantor Eberhard Eßrich einen Orgelneubau durch die Firma Alfred Führer. Die Sauer-Orgel wurde abgebaut und in der neugebauten Kreuzkirche installiert. 1968 wurde in der Erlöserkirche die neugebaute „Führer-Orgel“ eingeweiht.

„Für eine neue Orgel müssen wir rund 800 000 Euro zusammentragen“, sagt Willi Denecke, Sprecher einer auf dem Weg befindlichen Stiftung für die Orgel, zu deren Stiftungsmitglieder neben Alhard Graf von dem Bussche-Kessell auch die Lüdenscheider Renate Semmler und Reinhold Zimmermann gehören. „Lüdenscheider, denen das Wohl der Altstadt und der Erlöserkirche als kultureller Mittelpunkt sehr am Herzen liegen“, hofft Denecke auf eine Initialzündung in der Stadt, was die enorme Summe angeht, die gesammelt werden muss: „Die Stiftung ist kein Förderverein und nicht kirchlich gebunden. Das ist eine rein private Initiative. Die Landeskirche ist begeistert, weil die Zusammenarbeit zwischen uns, der Gemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche eine Art Pionierprojekt darstellt. Wir wollen bewusst eine breite Zielgruppe ansprechen und eine positive Welle anschieben für die Altstadt. Konzerte und Veranstaltungen werden nicht an Kirche und Religion gebunden sein.“

Im Frühsommer 2017 soll das Ziel erreicht sein: Eine neue Orgel in der Erlöserkirche. Sie wird dreimal so viel wiegen wie die alte, die demnächst ihren Dienst in einer polnischen Gemeinde in der Nähe von Danzig verrichten wird. Dort seien die Vorschriften für den elektrischen Betrieb anders. Wer Fragen hat, kann sie derzeit unter initiatoren@altstadtorgel-luedenscheid.de stellen.

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