Ein bizarrer Fall

Private Goldgewinnung - die Galvanik im Garten

Polizeieinsatz in der Galvanik im Garten. Die Chemikalien wurden entsorgt und sind nun Gegenstand eines Rechtsstreits.

Lüdenscheid - Ein etwas bizarrer Vorgang in Lüdenscheid hat im Oktober letzten Jahres verschiedene Behörden beschäftigt bis hin zur Bezirksregierung in Arnsberg. Übrig geblieben ist ein Rechtsstreit, der wohl kaum einen Gewinner kennen wird.

Von Florian Hesse

Hauptakteur dürfte unbestritten ein 33-jähriger Lüdenscheider sein: Bernd D. (Name von der Redaktion geändert). Sein Geschäftsmodell erinnert auf den ersten Blick an Alchemie, setzt aber profunde und im speziellen Fall selbst angeeignete Kenntnisse der Chemie voraus: die Rückgewinnung von Gold aus elektronischen Bauteilen.

Das alles fand statt in einem Garten mitten in der Stadt, genauer in einem Pavillon, den er zum Labor aufgerüstet hatte.. Zwischen Säurebehältern und Tiegeln, angetan mit einer Gasmaske, beschäftigte sich der Lüdenscheider mit dem Ausfällen von Gold aus Königswasser. Bis die Polizei kam. Das Gartenlabor, recherchierten die LN im Nachhinein, sei aber gar nicht Gegenstand des Anstoßes gewesen. Es ging vielmehr um einen bestehenden Haftbefehl, der vollzogen worden sei und der zur Gewahrsamnahme geführt habe.

Schwefelsäure aus dem Internet

Im Arrest erfolgte der Hinweis des 33-Jährigen auf seinen Arbeitsplatz mit offen zugänglichen Chemikalien – Salzsäure, Salpetersäure, Schwefelsäure, alles frei handelbar übers Internet, wie er sagt, und zum Teil in Zehn-Liter-Gebinden.

Aus polizeilicher Sicht stieß das natürlich auf hohes Interesse. Umgehend rückte man zum Garten aus, auch Ordnungsamt und Feuerwehr erschienen eilig zum Ortstermin. Im Ergebnis verständigten sich die Beteiligten darauf, einen fachlich geeigneten Entsorger zu beauftragen. Und die Polizei schaltete die Staatsanwaltschaft ein wegen des Verdachts der „schweren Gefährdung durch Freisetzung von Giften“. Ein Verfahren, das inzwischen aber eingestellt ist.

Doch mit der Beauftragung des Entsorgers begannen für Bernd D. die eigentlichen Probleme, wie er findet. Denn seine Arbeitsmittel und Produkte sind nun weg, gekippt in ein sogenanntes „Bergungsfass“ voller Kalkmilch. Auch der Werkzeugkeller wurde aufgebrochen.

Zu finden ist in der inzwischen kompakten Masse nichts mehr – was Bernd D. ausgesprochen ärgert. Er wirft dem Entsorger nun vor, sich an seinem Material bereichert zu haben. Dem Entsorger hat er darum eine Schadensaufstellung geschickt über 21.306,96 Euro. Den größten Posten machen darunter 282,4 Gramm Goldpulver im Einmachglas aus und verschiedene Sender-Bauteile russischer Herkunft, Bernd D. zufolge überaus üppig vergoldet und entsprechend wertvoll.

Gegenseitig angezeigt

Das Entsorgungsunternehmen bestreitet allerdings entschieden das Vorhandensein solcher Materialien. Bernd D. war inzwischen wieder bei der Polizei, diesmal allerdings nicht als Delinquent, sondern um Anzeige gegen das Unternehmen zu erstatten. Umgekehrt ist dies übrigens auch der Fall. Der Entsorger wirft ihm Nötigung vor. Sein Material kann er aber wiederhaben, hat ihm die Polizei zum Jahreswechsel geschrieben.

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