Konzept gegen Einbrüche: Das Prinzip Verdrängung

Neue Ideen gegen Einbrüche: Polizeioberrat Bernd Scholz.

Lüdenscheid - Die steigende Anzahl von Einbrüchen in der Kreisstadt beflügelt den Ideenreichtum der Polizei. Ab sofort schaltet sich auch der Verkehrsdienst der Wache an der Bahnhofstraße in die Jagd auf „reisende Banden“ ein, die in fernstraßen- und autobahnnahen Wohnvierteln auf Beutezug sind.

Von Olaf Moos

Der Chef der Verkehrspolizei, Oberrat Bernd Scholz: „Wir fahren jetzt ein konsequentes Verdrängungskonzept.“

Damit orientiert sich Scholz an den Ideen des New Yorker Polizeichefs William Bratton, der mit seiner Null-Toleranz-Politik gegen kriminelle Gruppen ganze Stadtteile befriedet hat. Das Vertreiben potenzieller Täter als Gesamtstrategie hat kreisweit erste Erfolge gezeigt. Die Lüdenscheider Polizei nimmt laut Scholz einer Vorreiterrolle in NRW ein.

Seit September 2013 hat die Polizei 53 Anzeigen gegen Fahrer und Halter von verdächtigen Transportfahrzeugen geschrieben und acht zum schrottreife Kasten- oder Pritschenwagen stillgelegt. Seit Jahresbeginn gab es 32 Anzeigen und sechs Stilllegungen. Bußgelder von 500 bis 1000 Euro sind die Regel.

In Lüdenscheid schaut der Verkehrsdienst mit 24 Beamten nicht mehr ausschließlich auf Tempo- oder Rotlichtsünder, sondern konzentriert sich zusätzlich auf mutmaßliche Täterfahrzeuge, also Wagen mit rumänischen oder bulgarischen Kennzeichen, verdächtigen Insassen oder einer ungewöhnlichen Fracht. Vielfach baldowern die Täter lohnende Objekte zuvor per Kamera aus.

Scholz: „Wir wollen Stadt und Kreis für Einbrecher und Buntmetalldiebe unattraktiv machen.“ Dass die Tatorte damit „nur“ in andere Städte oder Regionen verlagert werden, kommentiert der Chef der Verkehrspolizei lakonisch: „Das Problem hat nur derjenige, der nicht verdrängt.“ William Bratton lässt grüßen.

Mit der Ausweitung ihrer Jagd haben die Polizeieinheiten sich auch untereinander stärker vernetzt. Wo und zu welchen Tageszeiten der Verkehrsdienst verstärkt Streife fährt, entscheiden Kriminal- und Verkehrspolizei gemeinsam. Auch die Autobahnpolizei hält Kontakt zu örtlichen Behörden, kontrolliert Autos und Fahrer im „fahrenden Verkehr“ und gibt Erkenntnisse über Transport- und Fluchtwege in die Städte weiter, sagt deren Sprecher Wolfgang Wieland..

Vereinzelt haben nach Auskunft von Behördensprecher Dietmar Boronowski Nachbarschaften nächtliche Patrouillen organisiert. Das beste Mittel sei es allerdings, verdächtige Fahrzeuge zu fotografieren, Kennzeichen und Personenbeschreibungen zu notieren und die 110 anzurufen, sagt Boronowski. „Das hilft uns schon sehr.“ Selbst in Aktion zu treten, könne gefährlich sein. „Niemand sollte den Helden spielen!“

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