"Ick kann oooch anders"

Ausverkauftes Kulturhaus Lüdenscheid: Pinke Schminke aus Marzahn

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Cindy aus Marzahn war zu Gast im Kulturhaus und stellte ihr neues Programm vor.

Lüdenscheid - Wer pinke Schminke mag, ist bei ihr richtig. Wer auf süffisantes Grinsen über einen feinsinnigen Polit-Witz á la Dieter Nuhr steht – eher nicht. Mittwochabend gab sich die Prinzessin aus dem Plattenbau bei einer ihrer exklusiven Preview-Shows für die neue Tour „Ick kann oooch anders“ im Kulturhaus die Ehre: Cindy aus Marzahn.

Bevor die Comedy-Walküre mit ihrer lang erwarteten vierten Bühnenshow offiziell auf Tour geht, gibt es eine Handvoll Previews an Orten, die normalerweise nicht auf dem Tourplan stehen.

Auf der Online-Plattform "Stagelink" stimmten Cindys Fans ab, wo die Vorab-Auftritte stattfinden sollen – Vorschauen, bei denen die Fans zum Test-Publikum werden, was geht und was nicht. Anfang Oktober in Worms, Köthen, Potsdam und Delmenhorst, in Hildesheim, Mittwochabend in Lüdenscheid. Ausverkaufte Häuser, die Fans haben seit der letzten „Pink is Bjutiful“-Tour 2013 lange gewartet.

Da steht sie also, die übergewichtige Langzeit-Arbeitslose. Völlig unspektakulär kommt sie auf die Bühne. Das Licht im Saal bleibt erstmal an, kein Krönchen im Haar, dafür die pompöse Blume im Haar.

Cindy aus Marzahn in Lüdenscheid

"’Tschuldigung, dass ich schon angefangen habe"

Die letzten Nachzügler unter den Gästen werden einzeln begrüßt: „’Tschuldigung, dass ich schon angefangen habe“. Sascha aus Plettenberg darf auf die Bühne und Textblätter halten, während die Prinzessin Revolverhelds „Lass uns geh’n“ mit eigenem Text intoniert. Sascha wird als Belohnung zur Hauptpremiere nach Berlin eingeladen – „mit Hotelübernachtung und so“.

Bis zur Pause erzählt Cindy aus ihrem Leben. Der Arztbesuch, der Unterschied zwischen Kassen- und Privatpatient – „Husten die eigentlich Silberstaub und haben statt Nagelpilz Pfifferlinge?“

"Okay, den Witz nehmen wir raus"

Ihr Testament habe sie schon mal vorsorglich in den Pizzakarton geschrieben. Dem verhaltenen Lachen im Publikum folgt das „Okay, den Witz nehmen wir raus.“

Wenn sie spontan mit dem Publikum interagiert, dem Zuspätkommer das Saallicht einschalten lässt, damit der seine Frau findet, die Achtjährige in der ersten Reihe zum Running Gag macht, dann ist sie in ihrem Element.

Ilka Bessin, die in wenigen Tagen ihren 44. Geburtstag feiert und 2000 ihre Kunstfigur „Cindy aus Marzahn“ erfand, ist eine Frau, die in einem hässlichen rosafarbenen Trainingsanzug fernab des TV-Idealbildes einer Heidi Klum eine steile und ohne Zweifel rentable Karriere gemacht hat.

Eine Zugabe, aber keine "standing ovations"

Die Berlinerin mit der Kodderschnauze „kann oooch anders“: Zum Abschluss eines zweiten, deutlichen schwächeren Programmteils, nimmt sie die aktuelle Flüchtlingssituation auf, verbal und mit Gesang. Das Publikum applaudiert, klatscht die Prinzessin noch einmal auf die Bühne, eine Zugabe – und weg ist sie wieder.

Stehende Ovationen gibt es an diesem Abend nicht von dem zum Teil von weit her angereisten Publikum. Und am Programm wird das Team wohl noch das eine oder andere feilen müssen.

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