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Prima fürs Klima: Wohnbaugesellschaft begrünt ihre Dächer

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Von: Hans-Georg Gottfried Dittmann

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Insgesamt sind an der Ecke Höher Weg/Gneisenaustraße in Lüdenscheid acht neue Garagen mit begrünten Dächern bebaut worden.
Insgesamt sind an der Ecke Höher Weg/Gneisenaustraße acht neue Garagen mit begrünten Dächern bebaut worden. © Cedric Nougrigat

Acht neue Garagen mit einem bepflanzten Dach. Das sind weder viele Stellplätze, noch die entscheidende Rettungsaktion für das Weltklima.

Lüdenscheid – Es sei aber mehr als ein Zeichen, eher ein Anfang, sagt Joachim Effertz, Vorstand der Lüdenscheider Wohnstätten AG (LüWo) über die frisch fertiggestellten Garagen. „Die Vermietung war kein Problem“, sagt die Auszubildende, Carina Keil, die die Stellplätze an Mieter der Lüwo vergeben hat. Insgesamt habe das Projekt 280 000 Euro gekostet.

Die Knappheit an Abstellfläche für Autos bleibt also weiterhin nahezu unverändert: 2020 waren im Märkischen Kreis mit 253 121 Fahrzeugen 8,7 Prozent mehr Zulassungen erfasst als 2012. Gewandelt hat sich dagegen aber das Klima, und der Umgang sowie die Auseinandersetzung mit dem Thema. „Vor etwa zweieinhalb Jahren war das Thema ‚Dachbegrünung der neuen Musikschule‘ ein großer Streitpunkt“, blickt Marcus Müller, Fachdienstleiter für Umweltschutz und Freiraum, zurück. Heute sei es Konsens. „Toll, dass das jetzt immer mehr um sich greift.“

Noch sind die Dächer nicht grün, erst im kommenden Frühling werden die gesäten Sedum-Arten ausblühen. Sedum-Arten sind – vereinfacht gesagt – Pflanzen, die einer minimalen Pflege bedürfen und etwa 80 Prozent des Niederschlages speichern. Einige Arten binden auch das Treibhausgas Kohlendioxid. Sorgen, dass das Dach eine kürzere Lebensdauer als nicht begrünte Flächen haben könnte, seien unbegründet, sagt Lüwo-Architekt Sutjahjono Hartani.

„Mit einer wurzelfesten Folie unter der Bepflanzung hält das Dach genauso lange wie eine unbegrünte Fläche.“ Wichtig sei nur, die Statik dem zusätzlichen Gewicht anzupassen. Die Kosten für eine „extensive“ – pflegeleichte Dachbegrünung, liege etwa zwischen 25 und 40 Euro pro Quadratmeter. Eine Investition, die sich mit Blick auf den Klimawandel lohne, sagt Müller.

Joachim Effertz (Lüwo-Vorstand, von links), Marcus Müller (Stadt), Auszubildende Carina Keil und Architekt Sutjahjono Hartani (beide Lüwo) in Lüdenscheid.
Begutachtung der begrünten Garagen: Joachim Effertz (LüWo-Vorstand, von links), Marcus Müller (Stadt), Auszubildende Carina Keil und Architekt Sutjahjono Hartani (beide LüWo) am Höher Weg. © Cedric Nougrigat

Eine zu geringe Tragfähigkeit sei auch der einzige Grund, warum es nicht möglich sei, Solarzellen auf einem begrünten Dach zu installieren. „Es ist eine Mär, dass man sich zwischen einer Dachbegrünung und einer Photovoltaik-Anlage entscheiden muss“, erklärt der Fachdienstleiter. Es müsse nur beim Bau des Gebäudes berücksichtigt werden.

Durch die Dachbegrünung der Garagen am Höher Weg werde zudem keine Fläche versiegelt, sagt Hartani. Das sei ein Gewinn für einen Ort, der „traditionell wenig Grünflächen hat“, macht Müller deutlich. „Wir haben zwar viel Grün um die Stadt herum, aber in Lüdenscheid sieht es anders aus.“

Bis Ende März fördert die Stadt deshalb die nachträgliche Begrünung von Garagen, die fünf Jahre oder älter sind, und übernimmt 50 Prozent der Kosten. Für die Neubauten am Höher Weg konnte die LüWo diese Förderung, die vom Land NRW bezahlt wird, nicht in Anspruch nehmen. Das Wohnungsunternehmen beabsichtige aber, die Dächer weiterer 21 bestehender Garagen am Starenweg und sechs Garagen an der Dammstraße auf die gleiche Weise zu begrünen. Für diese Arbeiten könne die Förderung in Anspruch genommen werden – und werde es aller Voraussicht auch. „Die nötigen Unterlagen sind mittlerweile da, wir werden den Antrag bald stellen“, kündigt Hartani an.

Die Stadt kann die 50 000 Euro, die das Land bis März 2022 als Fördermittel für Dachbegrünungen bereitgestellt hat, nicht für ihre eigenen Gebäude verwenden. Das Geld könne nur von privaten Bauträgern abgerufen werden, erklärt Müller. „Noch ist Geld im Topf.“ Ein Zuschuss könne also noch beantragt werden. Für Neubauten werde in jedem Fall eine Begrünung vonseiten der Stadt geprüft.

„Die Bürger ziehen immer mehr mit“, freut sich Müller, weiß aber auch, dass es ein weiter Weg hin zur klimafreundlichen Stadt ist: „Es sind nur kleine Schritte, aber es ist ein großes Puzzle.“ Das gilt es nun Stück für Stück zusammenzusetzen.

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