"Amazing Grace" im Blitzlichtgewitter

Projizierte Farbenpracht bei der "LichtRouten"-Preview

Hunderte Zuschauer genossen die friedliche Stimmung bei der Preview der "LichtRouten" an der Erlöserkirche.

Lüdenscheid - Ein seltenes Motiv bot sich den Besuchern der „LichtRouten“-Preview am Samstagabend in der Lüdenscheider Oberstadt: Farbenprächtige Lichtspiele auf der Außenwand des Längsschiffes der Erlöserkirche lockten zahlreiche Besucher an. Sie tummelten sich bereits lange vor dem eigentlichen Höhepunkt auf den roten Sitzkissen auf der Wiese vor der Kirche.

"Man weiß genau, dass alles hervorragend klappen wird. Aber so ein bisschen Angst, dass irgendwas dann doch nicht klappt, ist immer dabei.“ Bettina Pelz, die gemeinsam mit dem Lüdenscheider Lichtkünstler Tom Groll das „LichtRouten“-Festival im Herbst kuratiert, schaut auf die Außenwand des Längsschiffes der Erlöserkirche.

In ihrem Rücken hat sich eine Armada an Fotografen aufgebaut. Viele versuchen, mit dem Handy eine Aufnahme zu machen, kämpfen mit den Lichtverhältnissen – die Dunkelheit bricht herein. Andere haben ihre Spiegelreflexkamera mitgebracht, bietet doch das farbenprächtig angeleuchtete Gotteshaus ein seltenes Motiv. Die Professionellen haben sich ein Plätzchen mitten auf der Wilhelmstraße gesucht und ihre Kamera auf einem Stativ aufgebaut.

Lichtrouten-Preview an der Erlöserkirche

Was ein bisschen was von japanischen Besuchern am Eiffelturm hat, geht schief. Denn mit jeder Minute, die vergeht, kommen mehr Besucher vor die Erlöserkirche und stellen sich, fasziniert von der projizierten Farbenpracht, vor die Objektive. Platzwechsel ist angesagt. 

Schon am frühen Abend machten sich's die Lüdenscheider auf den Sitzkissen der LSM gemütlich.

Schon lange vor dem eigentlichen Höhepunkt der „LichtRouten“-Preview sind die vielen flammroten Sitzkissen belegt, die die Lüdenscheider Stadtmarketing GmbH (LSM) als Veranstalter auf die Wiesen vor der Kirche gelegt hat. Gedämpftes Licht in zwei Pagoden-Zelten auf dem Kirchplatz, in denen sich die Besucher mit edlen Getränken versorgen können. Das Gotteshaus ist geöffnet, so mancher nutzt die Gelegenheit, einen Blick auf die „Baustelle Altstadtorgel“ zu werfen oder einfach nur, um eine Kerze anzuzünden, während der polnische Lichtkünstler Robert Sochacki vor dem Kirchenportal sakrale Elemente mit historischen Lüdenscheider Figuren verknüpft. Statische Bilder auf dem Turm und dem Längsschiff, durchwebt von bewegten Bildern, die er Tage zuvor in den Lüdenscheider Museen aufgenommen hat.

Bettina Pelz, der polnische Lichtkünstler Robert Sochacki und Tom Groll (rechts).

Gastarbeiter, Kindergesichter, Graf Engelbert – die Projektion auf der Erlöserkirche ist einmalig und wird es bleiben. „Das soll ja nur Appetit machen auf die Lichtrouten im Herbst“, sagt Bettina Pelz, als ein Gast danach fragt. Heute noch bis Mitternacht, dann werden die drei Beamer wieder eingepackt, und das farbenfrohe Spektakel ist vorbei.

Eine schöne, friedliche Stimmung hat sich mit zunehmender Dunkelheit über den Kirchplatz gelegt. Die Gäste zerstreuen die Bedenken, eine sakrale Preview mit der Thekentour des Vereins „Willi und Söhne“ zu verbinden. Ganz im Gegenteil. Viele junge Menschen, die eigentlich auf Kneipentour sind, bleiben stehen und machen Selfies vor dem erleuchteten Hintergrund. Bilder, die man so nie wieder bekommen wird. Willis Söhne kommen auf den Kirchplatz, lassen sich in die roten Kissen fallen, als aus dem Kirchenportal um kurz nach zehn ein schottischer Dudelsackspieler tritt.

Die Band "Sound of Scottland Pipes and Drums" gaben der Preview den letzten Schliff.

Die Formation „Sound of Scotland Pipes and Drums“ folgt, als Höhepunkt der Inszenierung hat André Westermann (LSM) die Band engagiert. „Ich fand das immer schade bei den Lichtrouten, dass man keine passende Musik hat oder vielleicht mal an Getränke kommt. Das würde ich gerne ändern“, hat er im Vorfeld gesagt und mit der Verpflichtung der „Schotten“ – eigentlich kommen sie aus dem Bergischen, aber das weiß ja keiner – den großen Wurf gelandet. Die spielenden Musiker umrunden die Kirche, ein Stückchen Wilhelmstraße, formieren sich auf dem Kirchplatz und spielen „Amazing Grace“. Und nachdem die Gänsehaut der Zuschauer abebbt, brandet Beifall auf.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

750 Jahre LüdenscheidLichtrouten
Kommentare zu diesem Artikel