"Ein Anderer": Überzeugendes Psychodrama

Abschlussarbeit der Lüdenscheider Filmemacherin Julia Schubeius feiert Premiere

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Julia Schubeius, Merle Wasmuth und Ronny Miersch (von links) freuten sich über die vielen Besucher beim Empfang vor der Filmvorführung im Camera Lichtspiele Kino

Lüdenscheid - Rund vier Jahre hat es gedauert, bis die aus Lüdenscheid stammende Filmemacherin Julia Schubeius und ihr Team am Freitag im Dortmunder „Camera Lichtspiel Kino“ ihren Film „Ein Anderer“ der Öffentlichkeit vorstellen konnten. Fast 200 Personen waren an der Produktion der Fachhochschule Dortmund beteiligt, mit der Filmstudentin Julia Schubeius und ihre Kommilitonen Christoph Gehl (Kamera), Arno Augustin (Sounddesign), Patrick Fait (Schnitt) und Carina Witte (Produktionsleitung) ihre Abschlussarbeiten im Fach „Film und Sound“ vorlegten.

Entsprechend gut gefüllt war das kleine Kino in der Dortmunder Nordstadt, in dem der Sektempfang sowie die Hochschul-Premiere stattfanden – 280 Besucher begrüßten die Filmemacher. Dazu zählten die meisten Darsteller, allen voran Merle Wasmuth und Ronny Miersch, sowie die Schwester der Regisseurin, Lisa Schubeius, die die Romanvorlage für das Psychodrama verfasst hatte. Auch viele der Beteiligten sahen den Streifen erstmals in voller Länge.

Der überwiegend in Dortmund gedrehte Film erzählt die Geschichte der Journalistin Mila Gabriel (Merle Wasmuth), die nach einem psychiatrischen Therapieaufenthalt versucht, ihr Leben in geordnete Bahnen zu lenken. Mit wenig Erfolg nimmt sie die Recherchen zu einem nicht abgeschlossenen Artikel über eine ihr seltsam vertraute Frau wieder auf, während Erinnerungen an ihre von einem traumatischen Erlebnis geprägte Kindheit hochkochen.

Kraft gibt ihr dabei ihr stets gut gelaunter Freund Jonathan (Ronny Miersch), der alles versucht, der in sich gekehrten jungen Frau ein wenig Lebensfreude zu vermitteln. Als Mila Freundschaft mit einem offensichtlich herrenlosen Hund schließt und sich zudem verliebt, scheint sich ihr Leben zum Guten zu wenden.

Der Trailer, den Julia Schubeius noch vor den eigentlichen Dreharbeiten des Films präsentiert hatte, ließ ein bedrückendes Psychodrama vermuten, doch obwohl es sich nicht um leichte Kost handelt, schaffen es die Filmemacher, den Stoff immer wieder durch humorvolle Szenen aufzulockern, an denen Ronny Miersch als glaubwürdiger Sidekick für die Protagonistin einen entscheidenden Anteil hat. Ebenfalls ein echter Gewinn: Filmhund Spidey, eine quirlige Jack-Russell-Terrier-Dame, die eine wichtige Rolle im Film spielt.

Obwohl Film-erfahrene Zuschauer schon recht früh ahnen, auf welche Auflösung die Handlung von „Ein Anderer“ hinausläuft, schaffen es die Filmemacher, eine starke Dynamik durch den Wechsel zwischen ruhigen, in matte Weiß- und Grautöne getauchte Sequenzen, den düster und dramatisch gefilmten Rückblenden sowie unbeschwerten Szenen zwischen Mila und Jonathan zu erzeugen.

Der Film, der mit einem Budget von nur 40 000 Euro realisiert wurde, besticht nicht zuletzt durch herausragende Darsteller. Merle Wasmuth erklärte auf der Premierenfeier in der Dortmunder Nordstadt-Galerie, dass es sich trotz etlicher vorangegangener Engagements um ihre erste tragende Hauptrolle gehandelt habe, was gerade bei der Komplexität des Charakters eine echte Herausforderung gewesen sei. Ganz besonders sticht auch die Leistung von Luna Maxeiner hervor, die Mila als Kind in den traumatischen Rückblenden zwar ohne viel Text, jedoch ungemein intensiv darstellt. Überhaupt wirken die Darsteller glaubwürdig und überzeugen bis in die Nebenrollen. 

Im Rahmen der Premierenfeier gab es die Möglichkeit, eine Blu-ray mit dem Werk, den Roman zum Film sowie ein Poster zu erwerben – mit den Einnahmen möchten die Macher ihr Werk auf Festivals bewerben. Noch können Blu-rays und Bücher über die Facebook-Seite des Films www.facebook.com/einandererfilm erworben werden.

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