Premiere der Lüdenscheider Altstadtbühne

Schummelt gerne mal etwas mit ihrem Alter: Marion Petersen als Alexandra Bertoux.

LÜDENSCHEID ▪ Weithin gelungen ist die Premiere der Altstadtbühne mit Pierre Chesnots Komödie „Lifting“ aus den 70er Jahren. Mit leichter Hand von Hannegret Junker-Rothenberg und Peter Rothenberg inszeniert, entwickelte sich, auch dank darstellerischer Leistung, vor ausverkauftem Haus ein munteres Stück. Ein höchst zufriedenes Publikum bedachte die Akteure am Ende mit großem Applaus.

Zu Zeiten einsetzenden Jugendlichkeitskults schrieb Chesnot „Lifting“, trieb in dem Stück sein Spiel mit dem Alter seiner Akteure. Natürlich geht es dabei auch um Liebe, schließlich ist Maxime Martineau (Wolfgang Müller) vom Chef geschasst, von der Frau verlassen, vom Alter bedrückt, von der freien Zeit erschlagen. Welch Glück, dass eine Schönheitsklinik in der Nähe ist. Dort lässt sich Maxime runderneuern, nimmt Anlauf, seine jungen Jahre wieder aufzunehmen. Dr. Fehrenbach (Karin Link) zieht ein wenig im Hintergrund die Strippen und es kommt zur Begegnung mit Alexandra Bertoux (Marion Petersen). Es funkt, aber zum Happy End sind noch viele kleine Verwicklungen, Verkleidungen, sportive Unternehmungen, höchst komische Szenen zu bewältigen.

Zwei Darsteller drückten dieser Premiere ihren Stempel auf. Ralph Wheeler ist als greiser Georges Bertoux in exzellent ausgefüllter Nebenrolle zu sehen. Wheeler zeigt auch ohne Worte Präsenz, ist auch schlafend ein Hingucker und verfügt zudem über die Fähigkeit in Sprache wie Gestik jenes Timing zu finden, dessen Rollen wie jene des skurrilen Bertoux komödiantisch leicht umgesetzt werden. Auf der Bühne Wheelers Tochter: Marion Petersen ist als Alexandra Bertoux eine große Bereicherung dieser Inszenierung. Ihr Spiel verlieh dem Abend Glanz. Zwangsläufig nimmt das Stück mit Alexandras Erscheinen Fahrt auf, doch Marion Petersen agierte leicht, natürlich, wirkte stets höchst präsent. Souverän in der Rolle, dominierte sie letztlich diese Premiere. Wolfgang Müller machte als Maxime Martineau eine gute Figur. Dies trotz hoher Einstiegsschwelle: Für die Zeit vor der chirurgischen wie pharmazeutisch gestützten Runderneuerung hatte man ihm eher ein Kissen, denn einen Bauch verpasst und sein Gesicht mit grotesken Linien halbwegs versteinert. Müller warf sich mit großem Elan in seine Rolle meisterte die Wechselspielchen zwischen Alt und Jung in seiner Rolle prächtig. Veronique Leitgeb gab Maxime Martineaus geschiedene Frau, eine überzeugende Eleni Schulte spielte die einfache wie resolute Hausangestellte Madame Robert. Karin Link (Dr. Fehrenbach) fühlte sich sichtlich wohl in der Rolle einer Schönheitsproduzentin, die gerne des Schicksals Fäden in den Händen hält. Nina Rosenbohm komplettierte als Marion Bertoux das Ensemble. Ein bis auf einen klobigen Tisch passendes Bühnenbild und die Musikwahl, siehe Charles Trenéts „La Mer“ , bereichern diese Inszenierung.

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