Portugiesen  verstärken Pflegemarkt

Patricia, Nadia, Claudia und João (vorne v.l.) lernen die deutsche Sprache, um bei Bernd Lauermann sowie Myra und Jolly Mani (h. v.l.) als qualifizierte Pflegekräfte arbeiten zu können

LÜDENSCHEID ▪ Not macht erfinderisch. Der Fachkräftemangel in der Pflege ist das beste Beispiel dafür. Myra Mani, Geschäftsführerin von „Mani Häusliche Krankenpflege“, finanziert zurzeit vier Pflegestudenten aus Portugal einen Sprachkursus, um sie als qualifizierte Pflegekräfte einsetzen zu können.

„In Portugal gibt es genügend junge Menschen, die ein vierjähriges Pflegestudium abgeschlossen haben und fachlich bestens geschult sind. Doch sie finden dort keinen Arbeitsplatz, weil die Regierung und private Einrichtungen kein Geld haben, um sie einzustellen“, hat sie nach Gesprächen mit Fachleuten vor Ort erfahren. „Bei uns dagegen ist der Markt leergefegt.“ Die studierte Betriebswirtschaftlerin nahm Kontakt mit Universitäten in Portugal auf, sprach mit Dozenten, hielt selbst Vorträge, schaltete die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) ein und erhielt auch Hilfe durch die örtliche Arbeitsagentur.

Ende April und Anfang Mai kamen schließlich Nadia, Patricia, Claudia und João nach Lüdenscheid und pauken nun Tag für Tag, auch samstags die deutsche Sprache und hospitieren schon einmal, wenn die 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Mani die rund 160 Patienten pflegen. In sechs bis neun Monaten soll der Sprachkursus, der mit der geforderten B2-Qualifizierung abschließt, beendet sein und die vier jungen Portugiesen im Alter zwischen 23 und 30 Jahren können ihren Pflegedienst beginnen.

„Zwischen 5000 und 7000 Euro pro Person investieren wir für die Finanzierung der Wohnung, für Taschengeld und für den Sprachkursus“, sagt Vater Jolly Mani, der mit seinem ambulanten Pflegedienst vor zwölf Jahren begann und das Familienunternehmen inzwischen fest auf dem Markt etabliert hat. „Es ist eine Investition in die Zukunft, aber wenn man ein neues Projekt anstoßen will, muss man das erst einmal so machen“, fügt Tochter Myra hinzu. „Wir hoffen, dass sich die Vier integrieren und sich auf Dauer hier wohl fühlen.“ Auch Bernd Lauermann, Leiter des Hauses Waldfrieden in Halver, einer Einrichtung für dementiell und gerontopsychiatrisch erkrankte Senioren, unterstützt das Projekt und hofft auf Nachahmer.

Interessierte können sich bei Myra Mani unter 0160/ 90 79 77 14 oder per Mail: myra.mani@mani-online.com melden.

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