Ein Bekenntnis zur Stadt

Lüdenscheid - Bei Gesprächen hinter dem Schreibtisch zu thronen, ist nicht seine Sache. Schlechte Laune bekommt er, wenn „sein“ BVB eine Niederlage kassiert. Und seine größte Schwäche ist nach eigener Aussage ein großer Eisbecher. Seit zehn Jahren steht Dieter Dzewas der Stadt Lüdenscheid als Bürgermeister vor – und wenn er derzeit von den großformatigen Plakaten lächelt, dann erkennt ihn selbst so manches Kindergartenkind.

Und das könnte auch in den nächsten sechs Jahren so bleiben, denn der Sozialdemokrat, der seinen Weg in die Politik über die Naturfreundejugend fand, möchte seine Arbeit im Lüdenscheider Rathaus gerne fortsetzen – ganz im Sinne der preußisch geprägten Pflichterfüllung.

"Ich möchte die spannenden Aufgaben weiter begleiten"

 „Ich fühle mich fit und möchte die spannenden Aufgaben weiter begleiten und sie mit Impulsen versehen“, sagt der 58-jährige und verweist auf Projekte wie die Denkfabrik im Zuge der Regionale, die Sicherung von Fachkräften am Ort, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Bekämpfung der kommunalen Finanznot. „Das sind Dinge, die mir am Herzen liegen.“

Ohne Terminkalender geht es nicht

Doch zehn Jahre als Oberhaupt der Stadt sind auch an dem Menschen Dzewas nicht spurlos vorbeigegangen, haben ihn so manches gelehrt, ihn aber auch in vielem bestärkt. Zum Beispiel in seiner Skepsis darin, das Amt in seinen repräsentativen, politischen und verwalterischen Aufgaben zusammenzulegen. „Das alles auf die Reihe zu bekommen, ist mit einem großen zeitlichen Aufwand verbunden“, erklärt Dzewas und wirft einen Blick auf den aktuellen Terminkalender. „Ohne den geht es nicht.“ Gespräche mit den Fachdienstleitern, Aufsichtsratssitzungen, ein 100. Geburtstag, die Begrüßung einer Schülergruppe oder der Festakt zu einem Vereinsjubiläum – die Tage sind straff durchstrukturiert.

"Das Amt hat auch etwas mit Berufung zu tun"

Und so musste auch Dzewas lernen, Dinge zu delegieren, zuzuhören und zugleich eine eigene Meinung zu vertreten sowie Grenzen zu erkennen. „Denn es ist natürlich eine Illusion zu glauben, dass man immer Abhilfe schaffen kann.“ Zu groß seien mitunter juristische und bürokratische Hürden. Wenngleich er nun lebens- und joberfahrener geworden sei, so ist sich Dzewas darüber im Klaren, dass man sich um die Menschen bemühen muss, über alle Parteigrenzen hinweg. „Denn das Amt hat ja auch etwas mit Berufung zu tun und die jeweilige Begrenzung durch Wahlen ist ja die große Stärke der Demokratie.“

Trennung zwischen Familie und Bürgermeisteramt

Deshalb nimmt Dzewas es auch in Kauf, sich im Privaten zeitlich einzuschränken und akzeptiert es, wenn er bei einem privaten Restaurantbesuch von Bürgern angesprochen wird. „Das gehört dazu.“ Grundsätzlich sei es ihm jedoch immer ein Anliegen gewesen, seine Familie aus seinem Amt herauszuhalten. „Es war mir immer wichtig, das zu trennen. Wenn meine Frau mich einmal begleitet, dann weil sie Spaß an dem Termin hat.“ Und so sei sie es auch, die ihn immer wieder „erdet“ – ebenso wie Söhne und Enkelkind, die guten Freunde, der morgendliche Spaziergang mit dem Hund oder die Gartenarbeit.

Für die Zukunft wünscht sich Dzewas, der sich vor zehn Jahren ganz bewusst für das Amt in Lüdenscheid und gegen die Abgeordnetenlaufbahn in Berlin entschieden hat, Gesundheit und die Kraft, die Aufgaben zu erledigen. Für die Stadt hofft er, dass sie sich ihren offenen und toleranten Charakter bewahrt.

"Es gibt auch ein Leben nach dem Bürgermeister-Amt"

Und für den Fall, dass es am Sonntag nicht mit der Wiederwahl klappt? „Damit beschäftige ich mich im Moment nicht“, sagt der 58-Jährige. „Aber ich habe keine Sorge, in ein tiefes Loch zu fallen, denn es gibt auch ein Leben nach dem Bürgermeister-Amt. Und ich bin so neugierig und interessiert, dass ich mich auch neuen beruflichen Herausforderung stellen würde.“

Ein Versprechen jedoch gibt er den Bürgern auch für den Fall eines Wahlsiegs: „So lange und fit im Amt zu bleiben wie mein Vorbild Helmut Schmidt, das habe ich nicht vor. Aber ein politisch denkender Mensch werde ich immer bleiben.“ - von Kerstin Zacharias

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