Die andere Sicht der Dinge

Bürgermeisterkandidat Björn Weiß plauderte beim Espresso über Stärken und Schwächen, italienische Lebensart und Poahlbürger.

Lüdenscheid - Facebook oder Füller? Die Antwort kommt schnell: Björn Weiß schreibt noch gerne Briefe mit Füller. Ein paar persönliche Worte aus gegebenem Anlass – da ist er ganz konservativ. Aber Facebook muss auch sein: „Ich bin ja nicht beratungsresistent.“ Doch zu viel Persönliches muss so nicht in die Öffentlichkeit.

Im LN-Gespräch zeigt sich der CDU-Bürgermeisterkandidat allerdings sehr offen, steht Rede und Antwort, verrät Schwächen – „kann ungeduldig und aufbrausend werden“ – und nennt Stärken.

Das „Sowohl...als auch“ ist eine solche Stärke: „Ich bin selbstkritisch und versuche, Dinge auch von der anderen Seite zu beleuchten.“ Dazu kommt, sagt er, ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Björn Weiß, 41, evangelisch, Wahlbezirk 1 (Altstadt/Innenstadt), seit ‘94 im Rat aktiv, zuletzt Vorsitzender des Ausschusses für Stadtplanung und Umwelt, verheiratet, ein Sohn (10).

Der „Poahlbürger“ leitet die Sparkassengeschäftsstelle in Herscheid

Der „Poahlbürger“ leitet die Sparkassengeschäftsstelle in Herscheid, ein Team von sieben Leuten. Die Aussicht, bei einem Wahlerfolg eine Verwaltung mit fast 1000 Köpfen zu managen, schreckt ihn nicht: „Letztlich geht es darum, Menschen und Mitarbeiter zu führen.“ Repräsentationsaufgaben könne man delegieren, dann bleibe mehr Zeit für die Führung der Verwaltung, sagt er mit spürbarem Seitenhieb auf die derzeit geübte Praxis, bei der sich die stellvertretenden Bürgemeister über Arbeitsmangel beschwerten.

Der Wahlkampf müsse fair bleiben

So ist er, der Wahlkampf. Unauffällig fast, geprägt von gemeinsamer finanzieller Not, angesichts derer „Fundamentalopposition lächerlich“ wäre. Fair muss es bleiben findet der Kandidat. Man müsse noch gemeinsam ein Bier trinken können – und dabei vielleicht so manches Problem lösen. Auch dafür schätzt er seine Heimatstadt. Gleichwohl ist ihm der Blick über den Tellerrand wichtig, auch kulinarisch gesehen. Auf den Teller kommt Pizza Tonno/Cipolla oder mal was Schärferes aus der indischen Küche.

Hauptsache authentisch, vorzugsweise Hausmannskost. „Kochen lassen“ ist seine Devise. „Was wollen Sie kochen, wenn Sie eine Gastronomentochter im Hause haben?“ sagt er und lacht. Die angeheiratete italienische Großfamilie prägt und fasziniert ihn. Mediterrane Leichtigkeit – etwas zu spät zum Termin, ein lässiges „Buon giorno“ auf den Lippen, eher aufs Idealgewicht verzichten als auf die Schokobohne zum Espresso – ergänzt Sauerländer Tugenden.

Krawatte statt Pulli

Er fährt lieber mit seinem Polo als mit dem Bus, setzt auf Krawatte statt Pulli und ist aus Überzeugung ökumenisch verheiratet. Der Opernfreund, der Queen liebt, wohnt zur Miete und zieht Modernes dem Jugendstil vor. Er würde gerne öfter in die Schweizer Berge, folgt trotzdem seiner Frau ans Meer. Als Bayern-München-Fan ist er trotzdem auf Dortmunds Südtribüne voll akzeptiert, wenn er, um des guten Fußballs willen, gelegentlich der Einladung eines Freundes folgt: „Die wissen, für wen mein Herz schlägt.“ Für die Sache, nicht nur für eine Mannschaft.

Bisher ist die Politik ein Hobby gewesen

Bisher ist die Politik ein Hobby gewesen. Wenn der Wähler sie zum Beruf macht, geht Björn Weiß ein Risiko ein, doch die Neugier auf Neues überwiegt. Das Bürgermeisteramt ist Ziel, kein Etappenziel: „Ich sehe so ein Amt nicht als Sprungbrett.“ Wenn’s dann mit der Wiederwahl nicht klappt, können nur Beamte in den alten Job zurück, Angestellte nicht. Gäbe es ein Rückkehrrecht, „würden vielleicht aus anderen Berufszweigen mehr den Schritt in die Politik wagen“.

Beim Wahl-O-Mat kommt immer die Union bei mir ‘raus

Der Entscheidungsfindung täte eine Durchmischung gut, glaubt er – mal andere Sichtweisen als die von Lehrern und Anwälten zu hören. Seine Sichtweise ist klar: „Beim Wahl-O-Mat kommt immer die Union bei mir ‘raus.“ Schwarzweißmalerei mag der Mann der Zwischentöne trotzdem nicht. Schwarz und Weiß gehören zusammen, signalisiert sein Wahlplakat. Die Botschaft trägt er sogar am Handgelenk: eine James-Bond-Edition von Swatch mit schwarz-weißem Zifferblatt zum 007-Film „Moonraker“. Der Countdown zum Durchstarten läuft. - von Susanne Kornau

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