Das Porsche-Mysterium vor dem Amtsgericht

Lüdenscheid - Der Porsche ist weg, so viel steht fest. Mehr aber auch nicht. Wo genau der 911er Carrera abgeblieben ist, weiß niemand – angeblich. Warum der Wagen verschwunden ist, darüber gibt es vor dem Amtsgericht unterschiedliche Meinungen.

Der Angeklagte sagt: „Er ist zur Reparatur.“ Wahrscheinlich in Polen. Der Staatsanwalt sagt: „Das Fahrzeug wurde unterschlagen.“ Denn der Porsche-Konzern will ihn wiederhaben.

Der Porsche-Fahrer auf der Anklagebank ist ein schwergewichtiger Diplom-Ingenieur von 64 Jahren, wohnhaft im ostfriesischen Hinte, „seit 21 Jahren zu 100 Prozent erwerbs- und berufsunfähig“, wie er sagt. Dass er sich einen solchen Renner leisten kann, mag damit zu tun haben, dass seine Gattin als Chefärztin in einem hiesigen Krankenhaus Geld verdient, wie er berichtet. Über sich selbst sagt der Angeklagte: „Ich lebe von 800 Euro im Monat.“

Er habe den „Motor kaputtgefahren“, berichtet der Angeklagte. Das Problem ist, dass das Auto zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht bezahlt war. Ein „polnischer Bekannter“ habe ihm dann einen Kontakt zu einer Werkstatt vermittelt, und eines Tages fuhr ein gelber Sattelschlepper vor, habe den Wagen auf geladen – „und das war’s“.

Wie der hilfsbereite Bekannte heißt, welche Spedition das Auto zu welcher Werkstatt in welche Stadt transportiert hat, will Strafrichter Thomas Kabus natürlich wissen. Doch da zuckt der Ingenieur mit den Schultern.

Kabus: „Keine schriftlichen Unterlagen? Keine Telefonnummer?“ Antwort: „Nein!“ Er sei froh, diesen „Mühlstein“ am Hals los zu sein. „Ich bin ja psychosomatisch erkrankt.“

Nach dem Verschwinden des Wagens gehen Briefe hin und her. Der 64-Jährige sagt, er habe der Porsche-Bank angeboten, die Restschuld auf das Auto zu bezahlen, 12.000 Euro seien noch offen. „Aber die wollen unbedingt das Auto“, samt Schlüsseln und Papieren.

Der Richter fragt nach weiterem Schriftverkehr. Der Angeklagte greint: „Ich kann das alles nicht lesen. Wenn ich das lese, passiert was mit mir. Aber wegen diesem Porsche gehe ich nicht ins Krankenhaus.“

erteidiger Matthias Schröder beantragt, seinen Mandanten auf dessen Schuldfähigkeit psychiatrisch begutachten zu lassen. Kabus willigt ein. Neuer Termin von Amts wegen.

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