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Poller-Diskussion in Lüdenscheid: Alternative zur Luxus-Variante

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Von: Susanne Kornau

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Zertifiziert und mobil: Solche Poller-Lösungen der Firma Hörmann (Steinhagen) schützen unter anderem den Reichstag in Berlin.
Zertifiziert und mobil: Solche Poller-Reihen aus Oktablöcken der Firma Hörmann schützen unter anderem den Reichstag in Berlin. © Susanne Kornau

Das Thema ist noch längst nicht vom Tisch, auch wenn es für die Stadtverwaltung schnell erledigt schien: Der Wunsch nach einer wirksamen und auch in finanzieller Hinsicht vernünftigen Absicherung von Veranstaltungen vor allem in der Innenstadt wird immer wieder laut. Andere Städte haben gute Lösungen.

Lüdenscheid - Seit 2018 mahnt der Altstadtverein eine Lösung an, zumal mit dem großflächigen Innenstadtumbau zumindest der Installationsaufwand übersichtlich erschien. Doch die Stadt hakt die Poller-Lösung ab – mit Hinweis auf einen Kostenvoranschlag für drei hydraulische Sicherheitspoller, der zuletzt 2020 auf 600 000 Euro kam. Wie sich diese Summe zusammensetzt, teilte die Stadt nicht mit. Damit war das Thema erledigt, aber eben nicht gelöst. Es scheint, als müsse man auch in diesem Jahr wieder Busse, Fahrzeugsperren oder Betonlegosteine als Sicherheitsbarrieren nutzen.

Doch andere Städte lösen ähnliche Probleme zielstrebig, effektiv und billiger, wie Nachfragen zeigen. Zugleich wird deutlich, dass es keine einheitlichen, rechtsverbindlichen Regeln darüber gibt, was eine Stadt bei der Veranstaltungssicherung zu beachten hat. Ein Überblick:

Jörn Esser, Pressesprecher der Stadt Duisburg, muss mit anderen Größenordnungen umgehen als die Lüdenscheider. Seit 2020 hat die Stadt nach rund dreijähriger Planung eine große Poller-Anlage um die Fußgängerzone. Esser teilt mit: „Um die strategisch wichtigen Zufahrtsmöglichkeit zu identifizieren, wurde ein Sicherheitskonzept mit Vertretern des Ordnungsamtes der Polizei und der Feuerwehr erarbeitet, sodass fünf Zufahrtsstraßen ausschließlich mit feststehenden Pollern und zehn Zufahrtsstraßen mit einer Kombination aus feststehenden und hydraulisch versenkbaren Pollern ausgestattet wurden. Es wurden die zum Zeitpunkt der Bestellung widerstandsfähigsten Poller ausgeschrieben. Alle Poller entsprechen der Norm PAS 68. Insgesamt wurden 141 feststehende Poller (14 500 Euro/Stück) und 16 hydraulisch versenkbare Poller (60 000 Euro/Stück) eingebaut.“ Der Einbau sei wegen der Vielzahl an Leitungen in den Verkehrsflächen „sehr aufwendig“. Zur Wartungsintensität könne man noch nichts sagen; anfängliche Probleme mit der Steuerungstechnik seien behoben.

Orientierungsrahmen erarbeitet

Aber wann ist eine Stadt nun auf der sicheren Seite? Dazu gibt ein Sprecher des NRW-Innenministeriums Auskunft. „Es gibt nichts Einheitliches an Regeln, keine allgemeine, rechtsverbindliche Richtlinie, weil die Umstände vor Ort immer unterschiedlich sind“, sagt er. Die Kommunen müssten in Absprache mit der Polizei selbst entscheiden, wie sie sicherten. 2010 sei, gemeinsam mit dem Städtetag, ein Orientierungsrahmen für Großveranstaltungen auf den Weg gebracht worden, der derzeit überarbeitet werde. Der gibt auf fast 70 Seiten Hilfestellung für Kommunen und Veranstalter. Doch der Sprecher betont auch, dass es ein Unterschied sei, ob man über präventive Sicherheitsmaßnahmen rede oder über Terrorabwehr angesichts einer konkreten Drohung: „Nicht alles ist Terrorismus.“

Sicherheit ist das Alltagsgeschäft von Pascal Peek. Der Fachberater für Zufahrtskontrollsysteme bei der Firma Hörmann in Steinhagen kennt sich mit stationären und mobilen Produkten aus. So sieht er etwa die – auch in Lüdenscheid – zur Veranstaltungssicherung eingesetzten Legosteine aus Beton skeptisch. Die könnten bei starkem Aufprall noch bis zu 250 Meter über den Platz geschoben werden: „Die sind eine größere Gefahr als Schutz.“ Busse oder Laster seien zudem eine Sichtbarriere: Die Menschen könnten gar nicht mehr auf eine Gefahr reagieren. Anders sei das bei den 1,25 Meter hohen, circa 450 Kilo schweren, rutschgehemmten Hörmann-Oktablöcken: Die Stadt Hamm hat gerade 34 dieser mobilen, zertifizierten Fahrzeugsperren angeschafft, auch in Berlin vorm Reichstag stehen sie. Als „groben Richtpreis“ nennt die Firma knapp 5000 Euro als Kaufpreis für einen Oktablock, vermietet aber auch – „zum Testen“, wie Pascal Peek sagt. Und: „Wir kommen auch für drei Blöcke.“ Kurzfristig könne man sich vor Ort vom unkomplizierten Handling durch Gabelstapler oder „Oktamover“ überzeugen, die den Block mobil machen. Wem das noch zu teuer sei, dem gibt der Fachberater den Tipp mit einem Sponsoren-Überzieher: „Das ist eine mobile Litfaßsäule.“

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