Schlag gegen die Lüdenscheider Drogen-Kriminalität

Mann (44) monatelang überwacht: Ist er der Drogen-Boss von Lüdenscheid? 

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Mitarbeiter von Polizei und THW stellen am 9. Juni Cannabis-Pflanzen sicher. Bei der Drogenrazzia waren 13 Objekte in Lüdenscheid durchsucht worden – darunter auch die Wohnung des Angeklagten.

Es war nach Polizei-Angaben ein empfindlicher Schlag gegen die Lüdenscheider Drogen-Kriminalität. Bei einer Razzia im Juni durchsuchten Ermittler – unterstützt von Sondereinsatzkommandos – 13 Objekte in Lüdenscheid und stellten umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter Drogen, eine Marihuanaplantage, Luxus-Autos und Bargeld. Insgesamt neun Tatverdächtige wurden vorläufig festgenommen, in drei Fällen wurde Haftbefehl erlassen. Nun folgt die juristische Aufarbeitung.

Lüdenscheid - Wie Marcus Teich, Sprecher des Landgerichts Hagen, bestätigte, liegt inzwischen die Anklage gegen den mutmaßlichen Haupttäter vor. Der 44-jährige Lüdenscheider syrischer Abstammung muss sich wegen „Handeltreibens von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ vor dem Landgericht Hagen verantworten. Derzeit sitzt er in Untersuchungshaft. Terminiert ist die Strafsache noch nicht. Derzeit werde noch ein Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten erstellt, sagte Gerichtssprecher Teich. Der Mann soll selbst Drogen konsumiert haben. Er gilt als Kopf der Lüdenscheider Bande, die nach Überzeugung der Polizei den Lüdenscheider Drogen-Markt kontrollierte.

Konkret wird dem 44-Jährigen vorgeworfen, in zwei Fällen unerlaubt Drogenhandel betrieben zu haben. Demnach soll er in der gemeinsam mit seinem Bruder bewohnten Wohnung eine Drogenküche betrieben haben, in der er Amphetamine mit einem Wirkstoffgehalt von 22 Prozent hergestellt habe, heißt es vom Gericht. Die Grundstoffe für die Amphetamin-Produktion habe sich das Duo aus den Niederlanden besorgt.

Umfangreiche Observationen sowie Telefonüberwachung durch die Ermittler der Lüdenscheider Polizei sollen belegen, dass der mutmaßliche Haupttäter Anfang Dezember fünf Kilogramm der Drogen an einen Mittelsmann mit dem Ziel des Weiterverkaufs weitergegeben hat, erläutert Marcus Teich. Dadurch soll der 44-Jährige einen Erlös von 6 000 Euro erzielt haben. Bei der Razzia am 9. Juni wurden zudem 88 Gramm Marihuana bei dem Angeklagten gefunden.

Der Lüdenscheider ist nach Angaben des Landgerichts erheblich vorbestraft. Erstmals wurde er 1994 verurteilt, seitdem kam der mutmaßliche Kopf der Drogenbande immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt, unter anderem wegen Nötigung und wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Auch während der ihm nun zur Last gelegten Taten stand der Mann unter Bewährung. Die 18-monatige Freiheitsstrafe wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz sowie wegen Körperverletzung datierte aus dem Frühjahr 2019. Ihm drohen nach Gerichtsangaben bei einer Verurteilung zwischen einem und 15 Jahren Haft.

Diese Plantage entdeckte die Polizei bei der Razzia im Juni in einem Haus in Lüdenscheid.

Bei der Razzia in Lüdenscheid waren nach Polizeiangaben auch Luxus-Autos, 50 000 Euro Bargeld sowie eine Drogenplantage sichergestellt worden. Eine Verbindung dieser Güter zu dem mutmaßlichen Haupttäter findet sich in der Anklage nach Aussage von Marcus Teich jedoch nicht. „Das war jetzt nicht der Drogenring des Jahrhunderts“, sagt der Gerichtssprecher. Gleichwohl gehe es hier um „nennenswerte Mengen“.

Nach Informationen unserer Zeitung wurde das Verfahren des 44-Jährigen abgetrennt. Mindestens drei weitere Tatverdächtige, die am 9. Juni ebenfalls festgenommen worden waren, müssen sich in einem zweiten Verfahren vor der Jugendkammer verantworten – auch sie werden wegen des Handels mit Betäubungsmitteln angeklagt.

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