Lüdenscheider Verdächtiger wieder auf freiem Fuß

Rocker-Krieg in Hagen: Wie ist die Situation in Lüdenscheid?

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Zahlreiche Rocker kamen 2012 zur Beerdigung eines erschossenen Bandidos

Lüdenscheid - Der Rockerkrieg zwischen den Bandidos und den Freeway Riders hat für einen in der heimischen Region größten Polizeieinsätze der zurückliegenden Jahre gesorgt. Ein Schauplatz war Lüdenscheid.

Schauplatz einer Durchsuchung und einer vorläufigen Festnahme war am Donnerstag auch eine Wohnung in der Kreisstadt. 

Aus den Reihen der Lüdenscheider Rockerszene verlautete, ihr Chapter sei nicht betroffen gewesen. Der Verdächtige wohnt laut Staatsanwaltschaft zwar hier, ist aber Mitglied der Freeway Riders Hagen. 

Die Fehde zwischen den beiden Hagener Rockerclubs beruht nach Medienberichten auf Machtkämpfen und offenbar auch auf persönlicher Feindschaft. Wie es heißt, war der Präsident des kürzlich gegründeten Bandidos-Chapters früher Mitglied bei den Freeway Riders. Umgekehrt soll der heutige „Präsi“ der Freeway Riders Hagen vormals den Bandidos angehört haben. 

Eskalation auf offener Straße

Im Juli eskalierte der seit Monaten schwelende Streit zwischen den Rockern, als in Hagen auf ein Mitglied der Freeway Riders geschossen wurde. Noch am selben Tag wurde ein Bandido auf dem Gelände einer Tankstelle angegriffen und erlitt lebensgefährliche Stichverletzungen. 

Am 5. Oktober wurde ein Bandidos-Mitglied niedergeschossen, wenige Tage später fielen Schüsse auf ein fahrendes Auto, in dem ein Freeway-Riders-Rocker saß. Insgesamt nahm die Polizei bei der Rocker-Razzia am Donnerstag nach Behördenangaben 14 Männer im Alter zwischen 21 und 56 Jahren fest. 

Gegen vier von ihnen waren bereits Haftbefehle in der Welt, sie wanderten in Untersuchungshaft. Den Lüdenscheider Rocker setzte die Staatsanwaltschaft Hagen am Freitag wieder auf freien Fuß. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli im LN-Gespräch. 

Aus dem heimischen Chapter der Freeway Riders heißt es, man sei in Lüdenscheid weder von dem Hagener Rockerkrieg noch von Durchsuchungen betroffen gewesen. „Auch in unserem Clubheim war niemand.“ Bekanntlich betreiben die Lüdenscheider Rocker ein Domizil am Niederwehberg. 

Arsenal an Schusswaffen sichergestellt

Stattdessen stürmten Beamte eines Sondereinsatz-Kommandos (SEK) mit Polizisten und Spezialkräften am Donnerstag mit einem Räumpanzer das Clubgelände der Hagener Freeway Riders im Stadtteil Kückelhausen. Wie zu erfahren war, zeigten sich die Ermittler überrascht über die Vielzahl an aufgefundenen Waffen. 

Einer der Festgenommenen trug beim Zugriff eine geladene Pistole im Hosenbund. In Wohnungen in Dortmund, Holzwickede, Witten und eben Lüdenscheid trugen Polizeibeamte ein ganzes Arsenal an Schusswaffen, verbotenen Messern und Drogen zusammen. 

Im Dortmunder Stadtteil Kruckel hoben Fahnder zudem eine Werkstatt aus, in der Schreckschuss- und Signalwaffen zu scharfen Schusswaffen umgebaut worden sein sollen. 

Laut Landeskriminalamt (LKA) gibt es in NRW derzeit 20 Bandidos-Chapters mit rund 850 Mitgliedern. In den landesweit 29 Chaptern der Freeway Riders haben sich rund 370 Rocker organisiert.

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