Polizei holt Lüdenscheider aus Thessaloniki ab

Lüdenscheid - Es war nur eine Frage der Zeit. Jetzt ist „Vassili“, der mutmaßliche Gewaltverbrecher, der vor einem Jahr in Griechenland untergetaucht ist, wieder in Deutschland. Fahnder der Hagener Polizei holten den 30-jährigen Lüdenscheider per Flugzeug aus Thessaloniki und lieferten ihn im Untersuchungsgefängnis in Hagen ab. Das bestätigt Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli, Sprecher der Anklagebehörde.

Damit ist der Weg frei für einen Strafprozess, auf den die Justiz lange hingearbeitet hat. In einem Verfahren gegen einen seiner Komplizen, den die 6. große Strafkammer des Landgerichts Hagen am 25. November zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt hatte, wurde deutlich, dass hier nur ein Mitläufer sitzt.

Der 32-Jährige musste sich zwar wegen erpresserischen Menschenraubes und anderer Verbrechen verantworten. Doch wie eines der Opfer, eine junge Frau aus Lüdenscheid, im Zeugenstand berichtete, sei „Vassili“ derjenige gewesen, der sie angeschrien, geprügelt, erpresst und bedroht hat. Sein 32-jähriger Helfer habe meistens schweigend danebengesessen. Staatsanwaltschaft und Kammer sahen darin eine Mittäterschaft. Verteidiger Matthias Meyer sagte: „Er wusste, was los ist, er war dabei, das können wir nicht schönsingen.“

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Hintergrund der Taten war eine Dose voller Kokain im Wert von rund 3000 Euro, die die junge Frau für ihren Peiniger aufbewahren musste. Als eines Abends die Polizei vor ihrer Tür stand, schüttete sie den Stoff panisch ins Klo und spülte ihn in die Kanalisation. Das war der Beginn ihres „unfassbaren Martyriums“, wie Richter Dr. Christian Voigt sagte.

Als der 32-Jährige im November verurteilt wurde, war der mutmaßliche Haupttäter „Vassili“ seit mindestens zwei Monaten in Griechenland. Aus Thessaloniki meldete er sich mehrfach per Internet und Telefon. Der jungen Frau schrieb er unter anderem: „Du Kranke, was hast du da für eine Scheiße erzählt? Bieg das gerade!“

Ein Kripo-Beamter erzählte vor Gericht, er habe auf der Dienststelle einen Anruf von „Vassili“ bekommen. „Er schrie mich an. Er würde zehn Jahre in Griechenland bleiben. Ausgeliefert werde er sowieso nicht.“ Ein Trugschluss. Im Mai wurde bekannt, dass der Gesuchte in Thessaloniki aufgrund eines europäischen Haftbefehls festgenommen wurde. Ende Juli erfolgte die Auslieferung an die deutschen Behörden. Auf seiner Facebook-Seite ließ er sich im Herbst mit gestrecktem Mittelfinger ablichten – und schrieb dazu sinngemäß: „Dieses Bild ist für alle Bastarde und Arschlöcher, die Gerüchte verbreiten, dass ich bereits gefasst bin und die mich und meine Familie in den Dreck ziehen.“

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