Landesweite Aktion setzt auf Psychologie

Blitz-Marathon: Eine Idee made in Lüdenscheid!

Der Blitz-Marathon: Die Grundidee entstand in Lüdenscheid.

LÜDENSCHEID / KREIS - Landesweit für Aufsehen sorgte der zweite „Blitz-Marathon“ der Polizei am 3. Juli mit seinen angekündigten Kontrollpunkten. Die Idee dahinter wurde in der Kreispolizeibehörde Lüdenscheid entwickelt!

 „Wir sind schon stolz darauf, dass das jetzt landesweit angewendet wird“, erklärten Bernd Scholz, Chef der Polizeiinspektion Süd, und Dieter Bruder, Leiter des Verkehrsdienstes, auf Anfrage der LN. Wer es schafft, das Tempo-Niveau um zwei Prozent zu senken, erhält zehn Prozent weniger Unfälle: Dieser Erkenntnis folge die neue Strategie. Sie setze dabei nicht mehr nur auf Strafen für Raser – sie will, dass sich Autofahrer belohnt fühlen, die sich an die Regeln halten.

„Der Fahrer, der weiß, dass da vorne das Radar steht, sieht sich in seinem regelkonformen Verhalten bestätigt“, erläuterte Bruder die psychologische Komponente. Zugleich sei derjenige, der sich sonst Vorteile wie früheres Ankommen oder die freie Parklücke verschafft, diesmal der Dumme, sprich: der Geblitzte.

Was heute „Psychologisch optimierte polizeiliche Kontrolle“ (PopKo) heißt und in NRW seit einem Jahr als neue Fachstrategie gilt, entstand 2006 in und um Lüdenscheid nach einer Studie von Prof. Marc Röckinghausen. „Wir wollten damals wissen, wie sich Blitzerwarnungen im Radio auswirken“, sagte Bernd Scholz. Dafür wurden an ausgewählten Straßen 1000 Fahrer interviewt, die sich ans Tempolimit gehalten hatten. Auf die Frage nach dem Warum nannten da noch die wenigsten die Blitzermeldungen.

„Das Vorwissen erhöhte sich erst deutlich, als wir die Ankündigungen auch in die Lokalzeitungen bekamen“, beschreibt Dieter Bruder die Cross-Media-Strategie. Regelmäßige Polizeipräsenz an immer denselben Stellen verstärkte die Wirkung. „80 Prozent aller Fahrer macht das dauerhaft langsamer, man muss aber dranbleiben.“

In Kürze soll es auch in Lüdenscheid erneut eine große Befragung geben. Die Erfolge von „PopKo“ sind laut Bernd Scholz indes schon messbar: An 15 Strecken im MK, wo die Polizei die Strategie seit 2009 konsequent fährt, sanken die Unfallzahlen deutlich, etwa an der Heedfelder Straße. Bruder: „Autofahren ist eher ein intuitiver als ein rationaler Vorgang. Hier setzen wir an.“

Seit kurzem zähle auch die zuletzt so unfallträchtige Talstraße zu den 15 „PopKo“-Strecken, die zudem mit nicht blitzenden Seitenradarmessungen auf Art und Dichte des Verkehrs untersucht werden. - hgm

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