Das Märchen vom bösen König Adolf Hitler

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Die Politikerin Cornelia Schmalz-Jacobsen war zu Gast beim Lüdenscheider Gespräch.

Lüdenscheid - FDP-Generalsekretärin, stellvertretende Bundesvorsitzende, Ausländerbeauftragte von 1991 bis 1998: Das Lüdenscheider Gespräch mit der Politikerin Cornelia Schmalz-Jacobsen hätte sich auch um ihre Sicht auf die spannende politische Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung drehen können.

Doch bevor die Fragen des Publikums den politischen Werdegang des Gastes und die Politik der 90er-Jahre in den Fokus nahmen, erzählte die Referentin aus einer spannenden Lebens- und Familiengeschichte, die sie in zwei Büchern geschildert hat.

In „Zwei Bäume in Jerusalem“ berichtete sie vom „selbstverständlichen Widerstand“ ihrer Eltern Donata und Eberhard Helmrich gegen die Nazis. Moderator Prof. Ewald Grothe nannte die beeindruckende Zahl von etwa 200 Geretteten. Der Vater hatte während des Krieges als Landwirtschaftsexperte im damaligen Ostpolen jüdische Frauen zu seiner Frau nach Berlin geschickt, damit sie dort als angebliche polnische Haushaltshilfen in Sicherheit waren.

„Die Idee ist so irre - da kommt keiner drauf“, zitierte Cornelia Schmalz-Jacobsen ihren Vater. Eine „Berliner Geschichte, die mich mein ganzes Leben begleitet hat“, zeigte das große Vertrauen, das Mutter Donata ihrer sechsjährigen Tochter entgegenbrachte. Bei einem Spaziergang bemühte sie ein Grimm’sches Märchen, um deutlich zu machen, dass dieser Adolf Hitler ein böser König sei.

„Ich war zu klein, um Angst zu haben, aber groß genug, um stolz darauf zu sein, dass man mir zugetraut hatte, den Mund zu halten.“ Und so war dem Kind auch klar, warum dauernd neue Haushaltshilfen ins Haus kamen, die vom bösen Hitler verfolgt wurden. Denen musste man helfen.

In ihrem 2016 veröffentlichten Buch „Russensommer“ bemühte sich die Politikerin um eine Korrektur des Bildes von den bösen russischen Eroberern: Natürlich habe es auch Gewaltakte gegen die Zivilbevölkerung gegeben. Doch als Neunjährige, die ihre Kinderlandverschickung auf dem Darß verbrachte, erlebte sie die Ankunft der Soldaten der Roten Armee als Befreiung: „Man muss auch mal was Nettes über die Russen schreiben“, nannte sie einen der Gründe für die sehr persönlichen Kindheitserinnerungen.

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