Turniere müssen angezeigt werden

Pokern ohne Gewinn: Strenge Auflagen für Lüdenscheider Zocker

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Betroffen ist die Poker-Variante "Texas Hold'em" (Symbolbild).

Lüdenscheid - Poker-Turniere in Lüdenscheid könnten schon bald der Vergangenheit angehören. Durch den neuen Poker-Erlass sollen "schwarze Schafe" keine Gewinn-Chance mehr haben. Und auch für die Zocker ändert sich einiges. 

Poker-Stars verdienen Millionen. Ein Traum, den auch Amateure träumen. So tauchen in den TV-Übertragungen der Poker-Events immer wieder Qualifikanten auf, die teils hunderttausende Euro gewinnen. 

Kein Wunder also, dass es einen Markt für Hobby-Turniere gibt. Auch in Lüdenscheid. Rund zehn Poker-Veranstaltungen pro Jahr hat das Lüdenscheider Ordnungsamt in der Vergangenheit registriert – unter anderem in der Gaststätte Dahlmann und im Brauhaus Schillerbad. Für dieses Jahr hat die Behörde noch keine Anmeldung vorliegen. Und das hat einen Grund. 

Unbedenklichkeitsbescheinigung des BKA erforderlich

Durch den Poker-Erlass des NRW-Innenministeriums und die damit verbundenen Auflagen wird es für gewerbliche Veranstalter immer schwieriger, die Lizenz zu erhalten. Um das Gewerbe anzumelden, müssen sie eine Zuverlässigkeitsprüfung über sich ergehen lassen, in der Vorstrafen und eventuelle Steuerschulden abgefragt werden. Die größte Hürde aber ist eine Unbedenklichkeitsbescheinigung, die durch das Bundeskriminalamt ausgestellt werden muss. So sollen „schwarze Schafe“ ferngehalten werden. 

Und die gibt es durchaus, wie Stefan Presse von der städtischen Gewerbeaufsicht im LN-Gespräch berichtet. So habe man einem Lüdenscheider Veranstalter das Gewerbe untersagt, nachdem er wegen Betrugs angeklagt worden war. Der Mann, der die Events nie in seiner Heimatstadt anbot, soll die ausgelobten Preise nicht ausgehändigt haben. „Vor solchen Erfahrungen wollen wir Freizeitspieler schützen“, sagt Presse. 

Jeden Monat einen Verdacht auf illegales Glücksspiel

Auch in Lüdenscheid fanden in der Vergangenheit immer wieder Poker-Turniere statt - unter anderem in der Gaststätte Dahlmann (Foto). 

Hinweise auf nicht angemeldete Glücksspiele, nicht nur Poker, bekommt das Lüdenscheider Ordnungsamt immer wieder. „Jeden Monat fällt etwas auf. Entweder reagieren wir sofort oder wir kontrollieren zu einem späteren Zeitpunkt“, sagt Presse. Wenn zum Beispiel bei einer Gaststätten-Kontrolle Karten, Geld und Chips entdeckt werden, klingeln bei den Stadt-Mitarbeitern die Alarmglocken. Sogar in einem Wettbüro ließen die Kontrolleure ein Poker-Turnier auffliegen. Den Veranstaltern drohen dann Bußgelder von 5000 Euro und mehr. 

Poker-Veranstalter: "Auflagen sind lächerlich"

Ein Veranstalter möchte anonym bleiben. Für den Lüdenscheider ist klar, dass es durch den Pokererlass künftig kaum noch Turniere geben wird. „Es ist schwer, ein Cash-Turnier rechtlich umzusetzen. Aufgrund der Bestimmungen habe ich es am Ende gelassen“, sagt der Poker-Fan. Die Auflagen nennt er „lächerlich“. 

Gewerbliche Anbieter müssen die Turniere zwei Wochen vor dem Termin bei der Stadt anzeigen. Auch private Anbieter und Beispiel Vereine sind vom Erlass betroffen, wenn die Turniere öffentlich stattfinden. Auch hier gilt die Anzeigepflicht. 

Doppelkopf-Turniere können anzeigepflichtig sein

Nur was in privaten Räumen passiert, das kann das Ordnungsamt nicht überprüfen, so Mitarbeiter Stefan Presse. Private Doppelkopf- und Skatrunden in Gaststätten bleiben zunächst einmal unbehelligt. Wenn allerdings Turniere durchgeführt werden sollen, rät Stefan Presse auch hier zu vorheriger Rücksprache mit dem Ordnungsamt, um die Details zu klären. Denn Presse weiß aus langjähriger Erfahrung: „Man kann aus jedem Spiel ein Glücksspiel machen.“

Darum gibt es einen Poker-Erlass

Mit dem sogenannten „Poker-Erlass“ vom 10. August 2018 reagiert das NRW-Innenministerium auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (Aktenzeichen BVerwG 8 C 26/12). Eine Kommune hatte einem Veranstalter die Durchführung eines Turnier verboten, weil die Behörde Poker als unerlaubtes Glücksspiel wertete. Das Gericht sah das anders, wenn in der auf Turnieren üblichen Variante „Texas Hold’em“ bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Diese sind jetzt auch in dem Erlass festgehalten. Demnach müssen gewerbliche Veranstalter von öffentlichen Pokerturnieren eine Erlaubnis bei der Gewerbeaufsicht einholen. Die Höhe des Gewinns darf den Spieleinsatz oder ein Startgeld nicht überschreiten. Auch die Qualifikation für hochdotierte Turniere, die häufig im Ausland stattfinden, darf nicht als Gewinn in Aussicht gestellt werden. 

Hier geht es zum vollständigen Poker-Erlass (externer Link).

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