Pogrom-Gedenken: Gemeinsam gegen das Grauen

Zeitzeugen: Richard Oettinghaus und Hanna Chapman haben noch erlebt, was damals auch in Lüdenscheid geschah.

Lüdenscheid - Wer nur in der Vergangenheit verharrt, kann die Probleme der Gegenwart womöglich weder erkennen noch lösen. Da machte es Sinn, dass die Akteure der Lüdenscheider Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht jetzt die monströsen Verbrechen der Nazis thematisierten, gleichzeitig aber auch Verbindungslinien zur Gegenwart zogen.

Gut 80 Besucher waren am Samstag zu dem Treffen im Bürgerforum gekommen. Sicher eine gute Resonanz für Veranstaltungen wie diese.

Eingeladen zu dem Gedenken hatten gleich vier Organisationen: die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, das Interreligiöse Forum Lüdenscheid, der Gedenkzellen-Verein und das Katholische Bildungswerk. Entsprechend vielfältig präsentierte sich auch das rund einstündige Programm.

Da war zu Beginn der Auftritt von Hella Goldbach von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Die engagierte Bergstädterin rückte zunächst die Verbrechen an Lüdenscheider Juden in den Fokus, erinnerte an „den SA-Mob, der einst durch die Stadt zog“ sowie an die Deportation und Erniedrigung jüdischer Mitbürger. Eingedenk dieser Verbrechen ist es für Goldbach unfassbar, „dass es heute wieder Witze über den Holocaust gibt und dass Polizei zum Schutz vor Synagogen auffahren muss.“ Ihre Forderung daher: „Wir müssen uns entschieden gegen jeden Antisemitismus stellen.“

Ähnlich sieht auch Dieter Dzewas die Dinge. Der Bürgermeister verlangte in seinem Grußwort eine permanente Abwehrbereitschaft der Gesellschaft gegen NPD und Neonazis. In Lüdenscheid habe das in der Vergangenheit funktioniert. Genug zu tun gebe es aber weiterhin. Das Treiben des NSU beweist Dzewas’ Worte dabei wohl.

Seinen nachdenklichen Charakter erhielt die Feier indes noch durch weitere markante Beiträge. Durch die Berichte der Lüdenscheider Zeitzeugen Hanna Chapman und Richard Oettinghaus. Durch die religiös-historischen Hintergrundinformationen von Superintendent Klaus Majoress. Durch das Verlesen der Namen getöteter Lüdenscheider Juden. Und auch durch die Interpretationen von Yasmin Alijah. Mit ihrem Gesang und Klavierspiel ließ die Musikerin ein Gefühl von Ergriffenheit entstehen, das Worte allein so nicht ausdrücken können. - dt

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