„World of Wordcraft" erlebt rauschendes Finale

Florian Wintels gewinnt die "Goldene Feder"

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Die Gunst des Publikums gehörte am Ende Florian Wintels, die stehenden Ovationen allen Künstlern.

Lüdenscheid - Ein stahlharter König, der sein Land mannhaft regiert. Ein König, der sich jede Frau nimmt, wie’s ihm passt. Und der einen Thronfolger produziert, der als Heranwachsender pink und Männer liebt. Am Ende im Schlossgarten outet sich auch der König als schwul, gemeinsam standen Vater und Sohn als „Schwestern“ Pate für das Märchen, mit dem sich Florian Wintels in der Nacht zu Sonntag den Sieg im Poetry-Slam-Finale sicherte. Strahlend nahm der Slammer die „Goldene Feder“ entgegen.

Ein rauschendes Finale vor ausverkauftem Haus: Bis auf wenige Ausnahmen waren die Stuhlreihen dicht an dicht besetzt, als sich die Besten der Besten im Kulturhaus trafen, um unter sich den Meister auszumachen: Fabian Navarro, Ninia LaGrande, Armin Sengbusch (Schriftstehler), der Vorjahressieger Nick Pötter und Florian Wintels. Zwei Vorrunden waren gesetzt, und Mona Harry, die sechste eingeladene Slammerin, ließ sich als krank entschuldigen. Erstmals in der Geschichte der Finalveranstaltungen im Kulturhaus musste sich Moderator und „World of Wordcraft“-Erfinder Marian Heuser nicht selbst ankündigen. Das übernahm DJ AT vom „Trust in Wax“, der zwar nicht gerade gefordert wurde, aber dennoch ein Gewinn für die Moderation war, stand doch in den Vorjahren Marian Heuser immer ein wenig allein und verloren auf der großen Bühne.

Mit Punktetafeln entschied wie bei jedem Poetry Slam das Publikum im ausverkauften Kulturhaus über Qualität und Inhalt des Vortrags.

Ansonst galt wie bei jedem Poetry Slam: Ein Slammer, ein Mirkro, eine eigene Geschichte in nur wenigen Minuten und bestenfalls noch ein Stück Papier, wenn der Vortrag noch nicht im Kopf verankert ist. Außer Konkurrenz wärmte Moderator Heuser das Publikum auf mit einem Text von Sascha Thamm, danach gehörte die Bühne – die Startreihenfolge wurde ausgelost – dem Opener: Fabian Navarro. Sein Entrée in den Abend war eine Rittergeschichte. 

Ihr folgten ernstere Töne des Hamburgers Armin Sengbusch, der sich ohnehin fürs Finale auf leisere, intensive Geschichten rund um das eigene Ich verlegt hatte. Vorjahressieger Nick Pötter eröffnete mit einer Lobeshymne auf sich selbst, Florian Wintels mit einem Text über Versagen, und Ninia LaGrande rezitierte aus ihrem Buch „Und ganz, ganz viele Doofe“.

Helene Fischer als Beatbox-Version 

Grandioses Zwischenspiel nach der Pause: Der Auftritt des Beatboxers Kevin O’Neal aus Dortmund. „Genießt die Show“, sagte er schlicht zum erwartungsfrohen Publikum. Und was danach kam, sprengte alles bisher Gehörte. Die Kunst, allein mit dem Mund Musik zu machen, beherrscht er perfekt, ist er doch deutscher Meister in seinem Metier. Sein Version von „Atemlos“ ohne Instrument und vor allem ohne Helene Fischer – ganz große klasse. Im wirklichen Leben ist er übrigens Bankangestellter.

Finale des Poetry-Slams „World of Wordcraft“

Mit großer Gestik und Mimik katapultierte sich schließlich Florian Wintels ins Finale. Zweiter Finalist: Der Hamburger Schriftstehler. Zum Gewinner der „Bronzenen Feder“ erklärte Marian Heuser nach kurzer Diskussion Fabian Navarro. Für Nick Pötter und Ninia LaGrande war der Wettbewerb beendet. Viel Beifall gab’s schließlich für den Vortrag des Hamburgers „Willkommen im Heim“, ein schwieriger Text, und vielleicht kostete genau das das Quäntchen Glück auf der Zielgeraden. Denn Wintels konterte mit dem „Schwestern“-Märchen. Mehr als charmant überbrachte er die Botschaft, man solle doch jeden nehmen, so, wie er ist. Der Schlussapplaus gehörte dem jungen Mann aus Bad Bentheim, die „Goldene Feder“ ebenso – und die stehenden Ovationen des Publikums allen Interpreten.

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