Poetry Slam: Junge Altenaerin hätte Finaleinzug verdient gehabt

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Die Teilnehmer des Poetry Slams mit Siegerin Theresa Sperling (4.von links).

Lüdenscheid. Der Poetry-Slam "World of Wordcraft" erlebte im Lüdenscheider Kulturhaus seine 32. Auflage. Die Siegerin heißt Theresa Sperling, kommt aus Nordhorn und ist Lehrerin. Die Siegerin der herzen aber war die erst 15-jährige Amelie Werner aus Altena.

Einmal mehr stellten sich sechs Poetry-Slammer der Publikumsjury, wobei sich der Bestplatzierte nicht nur über die von der Künstlerin Claudia Bäcker-Kirmse entworfene Goldene Feder, sondern auch über den Abdruck einer eigenen Geschichte in den Lüdenscheider Nachrichten und ein Honorar von 150 Euro freuen konnte.

Das Teilnehmerfeld der Veranstaltung bewegte sich auf einem hohen Niveau. In Sperlings auch in der Vortragsweise ein wenig prätentiösen Texten, in denen im wesentlichen Kinderpersönlichkeiten wie ein Mädchen, für das Sprache eine besondere Bedeutung hat, literarisch beleuchtet werden, wird oft die Tätigkeit der Autorin als Lehrerin deutlich. Den Nerv des Publikums trafen die Beiträge dabei offensichtlich voll und ganz, denn die Publikumsjury vergab für ihren ersten Text 49 Punkte und für den zweiten gar mit 50 die volle Punktzahl.

Im Finale, bei dem nicht mehr die Jury, sondern nur die Lautstärke des Publikumsapplauses zählt, trat Theresa Sperling dann gegen den Frankfurter Florian Cieslik an, der eine Mischung aus heiteren Einzeilern und gesellschaftskritischen Texten bot und damit letztlich den zweiten Platz belegte.

Trockenen norddeutschen Humor der Extraklasse präsentierte Sebastian Hahn aus Papenburg. Der letzten Endes Drittplatzierte startete mit „einem Gedicht über Dinge, die ich hasse“, das den bezeichnenden Titel „Menschen“ trug, um sich dann im Halbfinale mit einem Plädoyer dafür, nicht so viel zu quatschen, auf köstliche Weise mit der sparsamen Kommunikation der Norddeutschen zu befassen.

Eine großartige Vorstellung lieferte die erst 15-jährige Altenaerin Amelie Werner, die am Samstag ihren ersten Auftritt inmitten eines Ü20-Teilnehmerfeldes absolvierte. Mit ihrem ersten Text, dem die Grundgesetzaussage „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ vorangestellt war und in dem es darum ging, dass der Mensch die Würde so ziemlich jedes anderen Lebewesens sowie den Lebensraum Erde mit Füßen tritt, erzielte sie 41 Punkte und erreichte den Einzug ins Halbfinale. Ganz sicher trug auch die Leidenschaft und Intensität, mit der sie ihr Werk vortrug, zu diesem Erfolg bei.

Zwei langjährige, versierte Slammer schafften diesen Sprung dagegen nicht. Der Humor des Münsteraners Freddy Allerdisse war dem hiesigen Publikum vermutlich ein wenig zu rustikal, weshalb seine turbulenten WG-Geschichten nur maue 29 Punkte einheimsten. Andi Substanz aus Münster, der schon beim ersten World-of-Wordcraft-Poetry-Slam im Jahr 2010 mit dabei war, erhielt für seinen gerappten Text zwar noch durchaus respektable 38 Punkte, doch das reichte leider für den Halbfinaleinzug nicht aus.

Amelie Werner beeindruckte auch bei ihrem zweiten Auftritt mit einem hervorragend geschriebenen und wirkungsvoll vorgetragenen Text, in dem ein syrischer Junge, der bei einem Bombenangriff sein Augenlicht verlor, doch so viel mehr sieht und versteht als die in der Sicherheit der westlichen Konsumgesellschaft lebenden Menschen.

Leider reichten die damit erkämpften 40 Punkte auch nicht für den Einzug ins Finale, doch angesichts der hohen Qualität ihrer Texte und ihrer emotionalen Vortragsweise wäre der talentierten jungen Frau, die sich gegen die vielen alten Hasen der Slam-Szene bestens behauptete, die Finalteilnahme unbedingt zu gönnen gewesen.

Nächster Termin

Am Samstag, 11. Mai, findet ab 20 Uhr der nächste Poetry-Slam im Kulturhaus statt.

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