Poetry-Slam bei Dahlmann: Nicht jeder findet Sitzplatz

Sieger Sascha Thamm schilderte mittelschwere Katastrophen.

LÜDENSCHEID ▪ Einen solch großen Publikumszuspruch konnte „World of WORDcraft“-Initiator Marian Heuser bei seinen sonstigen Veranstaltungen noch nicht verzeichnen. 20 Minuten vor Beginn des beliebten Poetry-Slams im Saal der Gaststätte Dahlmann war der Saal voll, rund 30 Slam-Fans mussten wegen Platzmangels enttäuscht den Heimweg antreten.

Die 200 Gäste, die einen Sitz- oder Stehplatz ergattern konnten, erlebten einen spannenden Wettbewerb mit sechs Teilnehmern, die durchweg hochklassige Texte und Darbietungen im Gepäck hatten. Marian Heuser, der an diesem Abend – wie schon von anderen „World-of-WORDcraft“-Veranstaltungen gewohnt –, auch die Moderation übernahm, heizte zunächst die Stimmung im Saal an und forderte die Zuhörer erfolgreich auf, „zu klatschen, bis die in der winterlichen Kälte gefrorenen Hände in Scherben zu Boden fallen.“

Sieben Personen aus dem Publikum hatten die Aufgabe, die Vorträge mit einem Punktesystem von 1 bis 10 zu bewerten, wobei die jeweils höchste und niedrigste Bewertung gestrichen wurde. Insgesamt drei Runden fanden statt, wobei bei Durchgang 1 und 2 jeweils die beiden am schlechtesten bewerteten Slammer ausschieden.

Die beiden Damen im Teilnehmerfeld, Lokalmatadorin Taria aus Schalksmühle sowie Katja Hoffmann aus Halle, mussten sich bereits in der ersten Runde verabschieden. Katja Hoffmann thematisierte mit ihrem emotionalen, auswendig und mit stakkatomäßig intonierten Passagen durchsetzen Gedicht „Ja“ auf überaus gelungene Weise das schnelle Aufkeimen und langsame Erlöschen der Liebe, traf jedoch mit ihrem exzellenten, aber eher melancholischen Text nicht so recht den Geschmack der Jury-Mitglieder. Taria beschäftigte sich dagegen mit den Männern im Allgemeinen und dem Comedian Mario Barth im Besonderen, konnte jedoch mit ihrem wenig beherzten Vortrag nicht so recht punkten.

Ganz anders verhielt es sich beim „Schriftstehler“ Armin Sengbusch aus Hamburg, der in der ersten Runde mit Sprachwitz, sprachlicher Originalität und einem grundsouveränen Vortrag die Oberflächlichkeit des Internetzeitalters anprangerte und schon mit einem knackigen Spruch auf dem Sweat-Shirt seine Weltsicht kundtat: „Lies Bücher, nicht Pullover!“

Eigentlich qualifizierte sich der „Schriftstehler“ mit dieser furiosen Leistung in der ersten Runde klar für den Preis des Abends, die „Goldene Feder“, doch ein etwas weniger effektiver Text im zweiten Durchgang sollte es anders kommen lassen, nachdem auch der „Philipp Rösler der Slam-Szene“ mit dem Künstler-Namen „Vorwiegendinmoll“ trotz witziger Kulturclash-Thematik das Feld räumen musste.

Das spannende Finale bestritten Frank Klötgen aus Berlin und Sascha Thamm aus Remscheid. Die Texte beider Finalisten zeichneten sich durch ebenso abgründigen wie geistreichen Humor aus. So schilderte Frank Klötgen unter anderem, inspiriert vom „Hummelflug“ von Rimsky-Korsakov, wie eine Hummel mit einer Zigarettenkippe zerdrückt wird und sich das Hummelvolk im Anschluss bei dem gewissenlosen Mörder rächt, indem fünf Hummel-Märtyrerinnen in seinen Mund fliegen und ihn mit Stichen zur Strecke bringen. Sascha Tamm schilderte dagegen in seiner Story „Learning by burning“, wie naturwissenschaftliche Experimente am illegalen Lagerfeuer an der Talsperre, zum Beispiel die Frage, wie eine 5-Liter-Dose Faxe mit Feuer reagiert,- zu mittelschweren Katastrophen führen können. Im Finale war der Abstand beider Slammer sehr gering – Sascha Thamm setzte sich schließlich mit 49 Punkten vor Frank Klötgen mit 46 Punkten durch. Schließlich war auch für die musikalische Begleitung des Abends mit dem Duo „Faki und Nils“ gesorgt.

Weitere Poetry-Slams finden am 4. Mai, am 14. September und am 10. November in Lüdenscheid statt, letzterer auf der Kulturhaus-Bühne.

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